Sonnenklasse

Blog über das #LehrerLeben

25. Mai 2021
von FrauSonne
Keine Kommentare

Lehrer haben ständig Ferien!

Klar, Ferien sind eine schöne Sache.
Aber wie viel Ferien haben Lehrer*innen eigentlich?
Ich habe mir das mal ganz genau angesehen und nachgerechnet.
Wenn ich für die freien Tage Urlaub nehmen müsste, vergleichbar mit vielen anderen Berufen, dann müsste ich 62 Urlaubstage nehmen. Ich habe ca. 2,5 Monate im Jahr frei, also unterrichtsfrei, und muss nicht ins Schulgebäude kommen.

Ferien Schuljahr 2020/21
Quelle und Bilder: www.schulferien.org

Ferien im Schuljahr 2020/21 – aufgeschlüsselt in Tage und Wochen
Das ganze Corona-Chaos mit Schulschließungen, Wechselunterricht usw. ignoriere ich hier einmal.

Aber ihr müsst doch auch in den Ferien arbeiten, oder?
Nö, sage ich dann immer. Das stimmt nicht ganz und ist für verschiedene Lehrer*innen in unterschiedlichen Schulformen und Bundesländern anders.
Von Kolleg*innen aus der Oberschule höre ich, dass in vielen Ferien Berge an Korrekturen anfallen, z.B. während der Abiturprüfungen.
Ich persönlich „mache“ in den Sommerferien nichts für die Schule. Ich mache mir nur Gedanken und beim Bummeln im Urlaub gucke ich nach Materialien und Büchern für die Schule. Aber ich schaffe es mittlerweile den „Lehrer-Modus“ so weit herunterzufahren, dass ich wirklich abschalten kann und mich in den Sommerferien erhole.
In allen anderen Ferien mache ich meistens etwas. Ich bereite vor oder nach und habe an allen Tagen ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht alles schaffe, was ich mir für die Ferien vorgenommen habe. Dabei wollte ich doch auch noch Fachliteratur lesen und etliche Tabellen und Planungen abschließen…

Corona-Ausfall in den Ferien nachholen?
In Berlin gab es ab 16.12.2020 Schulschließungen wegen Corona, seit 22.02.2021 unterrichte ich wieder in Präsenz. Das heißt, dass 6 Wochen und 3 Tage Unterricht nicht in Präsenz in der Schule stattgefunden haben.
Nun fordern einige, dass dieser Unterricht in zukünftigen Ferien nachgeholt werden soll. Das wird nicht passieren und wäre auch unlogisch. Ich habe während der Schulschließung saLzH (schulisch angeleitetes Lernen zu Hause) betrieben. Ob das mehr oder weniger Arbeit war, ist in diesem Blogeintrag nachzulesen: Vorteile des Distanzunterrichts für mich als Lehrerin (https://www.sonnenklasse.com/vorteile-des-distanzunterrichts/). Aber wenn diese Zeit nachgeholt werden soll, dann war die Arbeit während der Schulschließung wohl nichts wert? Zählen dann die Bewertungen und Noten aus dieser Zeit nicht?
Zudem sind die Ferien bitter nötig, um das überzogene Pensum der restlichen Zeit auszubalancieren. Lehrerinnen und Lehrer würden reihenweise ausfallen, wenn sie in den Ferien arbeiten müssen – von Krankschreibung bis Komplettausfall durch Burnout. Es ist einfach nicht machbar.

In Berlin gibt es seit Pandemiebeginn Ferienschulen. Auch in den Sommerferien 2021 wird es wieder eine „Sommerschule“ geben. Für Grundschulen bedeutet dies, dass Schüler*innen aus den Klassenstufen 1 und 2 in den Sommerferien ca. 3 Wochen in die Schule kommen können, um „Stoff nachzuholen“ bzw. Kompetenzen weiter auszubilden.
In der „Sommerschule“ arbeiten aber nicht Lehrer*innen, sondern andere Menschen, die irgendwelche Lehrer-Fähigkeiten haben. Bezahlt werden Firmen, die dann „Lehrer“ schicken. Dabei sind Qualität und Zusammenarbeit sehr unterschiedlich.

Urlaub außerhalb der Ferien?
In Berlin werden Lehrer*innen seit dem Jahr 2004 nicht mehr verbeamtet, d.h. dass wir angestellt im öffentlichen Dienst sind. Viele Unterschiede zu den Beamten gibt es nicht, aber eine doch: wir können außerhalb der Ferien Urlaub nehmen. Allerdings nur, wenn wir den Urlaub nicht in den Ferien nehmen konnten, weil wir krankgeschrieben waren. Das kommt wahrscheinlich selten vor, aber es ist doch gut dies zu wissen.
Hier das Gerichtsurteil von 2013 dazu: https://www.dgbrechtsschutz.de/recht/arbeitsrecht/urlaub/urlaub-fuer-lehrer-ausserhalb-der-schulferien/

Geheimtipp: Bildungsurlaub
Angestellte Lehrer*innen können jedes Jahr eine Woche Bildungsurlaub nehmen! Genauer gesagt: 10 Tage innerhalb von zwei Jahren. Alle Infos von der „Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales“ dazu sind hier zu finden: https://www.berlin.de/sen/arbeit/weiterbildung/bildungsurlaub/
Allerdings habe ich mir damit Ärger eingehandelt, weil ich den Bildungsurlaub bei meinem Arbeitgeber (SenBJF) beantragt (und genehmigt bekommen) und nicht meine Schulleitung „um Erlaubnis“ gefragt habe. Sie drohte mir deswegen mit einer Abmahnung. Außerdem könnte ich den Bildungsurlaub ja in den Ferien machen.
Ja, könnte ich, muss ich aber nicht.
Übrigens bietet in Berlin der Verein „Berliner Unterwelten“ interessante Angebote als Bildungsurlaub an. Link dazu: https://www.berliner-unterwelten.de/seminare/bildungsurlaub.html

Offiziell haben wir 30 Urlaubstage, die innerhalb der ca. 13 Wochen Ferien abgegolten sind.
Was ist mit den restlichen 7 Wochen?
An den anderen Tagen haben wir unterrichtsfreie Zeit, sollten aber arbeiten. Das überprüft niemand.
Wie kann man die Arbeitszeit messen?
Nach dem EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung von 2019 sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Arbeitszeit der Arbeitnehmer zu erfassen.
Es wäre extrem interessant, wenn alle Lehrerinnen und Lehrer ihre Arbeitszeit genau messen würden – nach Uhrzeit und Tätigkeit. Ich weiß zwar nicht, wie das praktisch durchzuführen wäre, aber hoffentlich kommt so etwas in Zukunft.

Ich arbeite gerade an einem Blogeintrag zum Thema Wie viele Stunden arbeiten Lehrer? (kommt nächste Woche), in dem es sehr genau um die Arbeitszeiten von Lehrer*innen geht.

Und hey – es sind nur noch vier Wochen bis zu den Sommerferien! 😉

 

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31. März 2021
von FrauSonne
Keine Kommentare

Die Schulen sind NICHT sicher!

Corona-Maßnahmen an Schulen – alles viel zu wenig!

Schnelltest in der Schule: Schützt mich das vor einer Infektion?

Täglich treffen sich fast 11 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie fast 800.000 Lehrerinnen und Lehrer[1] sowie weiteres Schulpersonal wie Erziehr*innen, Sekretär*innen, Sozialarbeiter*innen, Schulhelfer*innen, Hausmeister*innen, Küchenpersonal, Lesepaten usw. in Gebäuden, die wir „Schule“ nennen.
Nun kann man sich leicht denken, dass beim Zusammentreffen von vielen verschiedenen Menschen in kleinen Räumen über lange Zeiten und mit intensivem Kontakt, Krankheiten übertragen werden können. So ist es ja auch mit der Grippe, mit Erkältungen, mit Röteln oder Krätze sowie mit Parasiten wie Läusen. Das passiert ständig, auch an unserer Schule. Dann gibt es einen handschriftlichen Zettel im Lehrer*innenzimmer, z.B. „Krätze in der 2a!“ Bis hier hin – so einfach, so klar.
Nun haben wir bekanntlich eine Pandemie durch ein hoch ansteckendes Virus, das schwere Erkrankungen bis hin zum Tod verursachen kann. Wird das dann auch an Schulen verbreitet?
Nein, natürlich nicht, denn: „Die Schulen sind sicher!“[2] und „Kinder sind keine Treiber der Pandemie!“
Ach soooo, na dann.

Also ich persönlich habe seit ca. einem Jahr das Gefühl, dass ich als Lehrerin in der Schule „verfeuert“ werde, Infektionen sowie Long-Covid bis hin zum Tod werden billigend in Kauf genommen. Mindestens bin ich Teilnehmerin (Versuchskaninchen) in einem Experiment, ohne um Einverständnis gefragt worden zu sein.
„Wir probieren es, wir öffnen die Schulen und gucken, was passiert.“ (So oder so ähnlich hat es Armin Laschet gesagt, ich finde das Zitat leider nicht.)

Nun sagen einige: „Du hast doch Glück als Lehrerin! Ihr habt Masken, Tests und jetzt sogar Impfungen! Was sollen Verkäufer oder Paketboten sagen?!“
Ja und ich bin dankbar dafür.
Es stimmt, an Schulen gibt es verschiedene Maßnahmen, damit „der Laden läuft“, denn die Wirtschaft hängt maßgeblich von den Schulen ab.
Zitat Markus Söder (CSU, Ministerpräsident Bayern) im Oktober 2020:
„Schule und Kita hat ja auch den Sinn und Zweck auch um die Wirtschaft am Laufen zu lassen. Wenn die Eltern keine Betreuung haben, gibt‘s auch keine Wirtschaft.“
Quelle: GEW Bayern https://t1p.de/7suz

Wie genau das mit den Maßnahmen an Schulen aussieht, möchte ich in diesem Blogeitrag zeigen.
Im Folgendem werde ich die Maßnahmen beschreiben, die zum Infektionsschutz während der Corona-Pandemie an Schulen (bzw. an meiner Berliner Grundschule) angewendet wurden.

  1. Masken
  2. Hände waschen / Desinfektion
  3. Abstand und Plexiglas
  4. Lüften
  5. Kontaktverfolgung und Quarantäne
  6. Tests
  7. Impfungen

 1. Masken

Während der 1. Welle im Frühjahr 2020 war es zuerst schwer vorstellbar, dass alle mit „Mundschutz“ herumlaufen würden. Das Wort „Mundschutz“ wurde zum rechtlichen Problem, denn es schützt ja gar nicht. Also sagten wir „Mund-Nase-Bedeckung“ oder später „Alltagsmasken“. Ich habe sofort nach der Schulschließung im März 2020 angefangen Masken zu nähen. Mir war klar, dass man sich anfangs keine Masken kaufen können würde.

Meine erste Maske nähte ich am 18. März 2020.

Der erste Gang zum Supermarkt mir solch einer selbstgenähten Maske war schon sehr merkwürdig.
So war auch die Rückkehr in die Schule im Mai 2020 merkwürdig. Das Tragen von Masken war ausdrücklich freiwillig, sowohl für die Kinder als auch für die Erwachsenen. Der Aufschrei der Eltern bezüglich dieses Themas war groß genug. Der Nutzen von Masken wurde am Anfang von Virolog*innen und Bundesregierung nicht klar in den Vordergrund gestellt und wurde deshalb – gerade am Anfang -angezweifelt.
Die Kinder trugen Masken im Gang, auf Toilette usw., aber in der Klasse konnten sie die Masken absetzen. Anfangs gab es ja kleine Gruppen und der Abstand von 1,5m konnte eingehalten werden.
Ich trug meine Stoffmasken, aber beim Unterrichten nahm ich sie ab. Es ist wirklich schwierig mit einer Maske stundenlang am Stück laut zu sprechen.
Es kam immer wieder zu Fragen und Verwirrungen – wann und wo soll man die Maske tragen? Wie soll man sie aufbewahren?
Schon damals gaben die ersten Eltern Atteste mit Maskenbefreiungen ab. In unserer Schule sind es fünf Kinder, glaube ich, die solch ein Attest vorgelegt haben. Wie geht man mit diesen Kindern um?

Es wurde zum Ritual: Masken waschen am Wochenende.

Nach den Sommerferien 2020 galt Regelbetrieb und die Kinder kamen wieder regulär, in ganzer Klassenstärke und mit voller Stundentafel. Bei der Einschulung trugen alle Masken und auch in den darauffolgenden Monaten trugen die Schüler*innen Stoffmasken im Schulhaus – aber nicht am Arbeitsplatz in der Klasse. Es gab Diskussionen darüber, dass die Kinder nicht gut Lernen können mit Masken, weil man z.B. die Aussprache nicht sieht – auch bei den Lehrer*innen.

Die „Corona-Tafel“ in meiner Klasse mit der Corona-Schul-Ampel auf Stufe Orange.

Ende Oktober kam die „Corona-Schul-Ampel“ mit den Stufen Grün, Gelb, Orange und Rot. In jeder Stufe gibt es Regelungen bezüglich der Maskenpflicht. In Stufe Grün wurde für Personalgemeinschaftsräume das „Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung aus epidemiologischer und amtsärztlicher Sicht dringend empfohlen“, in den anderen Stufen war es „verpflichtend“. In der neusten Fassung (https://t1p.de/5ra2) ist es in allen Stufen verpflichtend. Diese Regeln betreffen nur das Personal an Schulen.
Im Sommer setzte ich meine Maske noch während des Unterrichts ab, ab Oktober 2020 trug ich FFP2-Masken und setzte sie nur zum Essen und Trinken ab. Jetzt setze ich sie gar nicht ab uns mache eine Maskenpause in meinem Auto.
Jeden Tag habe ich Halsschmerzen nach dem Unterricht, denn das laute Sprechen in den Masken ist sehr anstrengend. Immer wieder muss ich abwägen: sind das normale Halsschmerzen oder ist es ein Corona-Symptom?

Für die Schüler*innen galt die Maskenpflicht nicht im Unterricht und bei der Betreuung (eFöB). In Stufe Orange dann überall, aber nicht im Unterricht. Erst in Stufe Rot gilt eine Maskenpflicht für alle und überall.
Auf dem Schulhof trafen sich über 550 Schüler*innen ohne Masken.
Meine Schule war in Stufe Gelb und dann bis zur Schulschließung im Dezember 2020 in Orange, d.h. wir hatten bis dahin keine Maskenpflicht im Klassenraum. Zur Erinnerung: im November hatten wir Inzidenzen weit über 200.

Seit der Schulöffnung im Februar 2021 sind die Regeln einfacher: alle müssen überall Masken tragen – Schüler*innen und Lehrer*innen, in ganz Berlin.
Seit 15. März ist es Pflicht eine medizinische Maske, OP- oder FFP2-Maske, zu tragen. Genau ein Jahr nach Beginn der Pandemie.
Was wäre passiert, wenn wir seit Beginn der Pandemie immer und überall, auch in der Schule, medizinische Masken getragen hätten?

Doppelmaske im Dezember 2020: FFP2-Schutz plus Stoffmaske mit angenehmen Muster für meine Schüler*innen.

Jetzt, da die Regeln ganz klar sind, fällt es umso mehr auf, wie viele sich nicht daran halten.
Bei uns laufen Handwerker, Putzkräfte und Küchenpersonal ohne Masken herum. Lehrer*innen und Erzieher*innen nehmen die Masken auf dem Schulhof oder bei Abholsituationen vor der Schule ab.
Im Lehrer*innenzimmer sitzen alle dicht gedrängt und essen ohne Maske. Wir haben keine zusätzlichen Pausenräume zur Verfügung gestellt bekommen. Ich vermute, dass die Infektionsgefahr in den „Personalgemeinschaftsräumen“ momentan extrem hoch ist, deshalb mache ich meine Pausen im Auto.

Eine Lehrerin hat eine Befreiung von der Maskenpflicht und läuft überall ohne Maske herum, auch im Unterricht. Für solche Fälle gibt es keine Hinweise vom Arbeitgeber, es sollen „individuelle Lösungen“ gefunden werden, z.B. sollen solche Lehrkräfte nicht in die Personalgemeinschaftsräume gehen oder anderen Eingänge nutzen.
Kinder, die eine ärztliche Maskenbefreiung haben und keine Maske tragen wollen, dürfen nicht am Präsenzunterricht teilnehmen.
Ist das nicht irgendwie unfair?

Woher bekommt man eigentlich die medizinischen Masken?
LEHRER*INNEN
Wir Lehrer*innen haben im Mai 2020 16,00€ „Pausch. Mund-Nasen-Schutz“ mit dem Gehalt bekommen. Im Herbst/Winter 2020 wurden dann an die Schulen Masken geliefert und von der Schule verteilt. Es gibt keine Vorgaben dazu, wie viele Masken uns zustehen. Meine Schulleitung beruft sich auf ein Schreiben des Personalrats, in dem steht, dass wir zwei FFP2-Masken und 35 OP-Masken bekommen sollten. Damit ist die Pflicht erledigt und die restlichen Masken lagern in der Schule.
Was ist eigentlich mit der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, die uns vor Infektionen schützen soll?Natürlich verdienen wir Lehrer*innen genug Geld, um uns die Masken selbst zu finanzieren. Aber eine vorgeschriebene Schutzkleidung hat der Arbeitgeber zu stellen. Und einige Kolleg*innen wollen an der Stelle sparen und laufen mit abgenutzten Masken herum.

Masken kaufe ich bei „Siegmund“ – Link: https://www.siegmund.care/ 
Diesen Gesichtsschutz („face shield“)  habe ich bei Amazon gekauft: https://amzn.to/3twk1Rw (AffiliateLink)

Herbst 2020: Kinder haben kreative Idee, wie man Masken nutzen kann.

SCHÜLER*INNEN
Die Eltern der Schüler*innen müssen sich selbst kümmern und Masken selbst bezahlen. Das ist logischerweise für einige Familien eine Überforderung.
Im Sekretariat gibt es Ersatz-OP-Masken (in Erwachsenengröße) für Schüler*innen, die ohne Maske zur Schule kommen.
Die Folge ist, dass die meisten Schüler*innen locker sitzende und dreckige, abgenutzte Masken tragen. Nicht alle Eltern sind in der Lage täglich zwei Masken (eine zum Wechseln) mitzugeben und die aller wenigsten können sich FFP2-Masken in Kindergröße leisten.
Für meine Klasse habe ich aus der Klassenkasse OP-Masken in Kindergröße gekauft. Die passen den Erstklässlern wenigstens gut. Aber nicht jede Klasse hat eine gut gefüllte Klassenkasse.

2. Hände waschen / Desinfektion

Am Anfang der Pandemie war das Händewaschen ganz großes Thema. Politiker und andere Menschen in den Medien zeigten uns, wie man seine Hände richtig wäscht und wie lange das dauern sollte. Selbstverständlich hieß das für die Schulöffnungen im Mai 2020: Hände waschen in der Schule!

PPP-Folie mit Video, in dem man sieht, wie man gründlich Hände waschen sollte.

Ja gut, zuerst mussten wir Seife beschaffen. Die Seifenspender sowie die Handtuchspender auf den Toiletten der Kinder waren vor Corona ständig leer. Sie wurden ein oder zweimal die Woche aufgefüllt und waren, durch die Anzahl der Schüler*innen, innerhalb von einem Tag verbraucht. Besonders ärgerlich ist das bei den Toiletten neben der Mensa. Jede Klasse kaufte also Flüssigseife und die Schule bestellte auch ein paar Flaschen. Ich bezahlte besonders bunte und „spaßige“ Seifen aus der Klassenkasse. Diese wurden leider schnell auf den Toiletten vergessen oder die Kinder spielten auf den Wegen damit und sie gingen kaputt. Ich musste also Kärtchen einführen: wer nimmt wann welche Seife…

Piktogramme für die Schüler*innen habe ich von der lieben Kerstin „Materialwiese“: https://materialwiese.de/2020/03/hygieneregeln-in-der-grundschule.html

Einkauf aus der Klassenkasse Anfang August 2020.

Außerdem kaufte ich: Küchenrollen, Einweghandschuhe, Kosmetiktücher, Feuchttücher und Händedesinfektionsmittel. Irgendwann wurde auch die Schule mit Desinfektionsmitteln beliefert. Bei den Eingängen waren Spender (von den Aufsichten bewacht) und für Oberflächen bekamen wir Sprühflaschen mit anderem Desinfektionsmittel. Anfangs desinfizierten wir ständig alle Oberflächen, denn die Schüler*innen wechselten ihre Arbeitsplätze und da war es Vorgabe zu desinfizieren. Nach dem Sommer galt der Regelbetrieb und niemand desinfizierte mehr. Es war überhaupt unklar, ob wir das noch machen sollten. Aber es gab keine Anweisungen und auch keine Lieferungen von Desinfektionsmitteln.
Jetzt bei der Schulöffnung im Februar 2021 kramten wir die Sprühflaschen heraus und füllten sie im Sekretariat mit Desinfektionsmittel auf. Diese Mittel sind unter Verschluss. Es ging also wieder los mit dem Desinfizieren.
Einige Eltern möchten nicht, dass die Hände der Kinder desinfiziert werden, weil sie die Haut kaputt machen würden. Und das verstehe ich auch. Auf dem Höhepunkt des Hände-waschen-und-desinfizieren-Wahns liefen die Kinder mit geröteten und teilweise blutenden Händen herum.
Momentan werden den Kindern in unserer Schule die Hände beim Betreten der Schule desinfiziert. Ansonsten sollen sie Hände waschen, z.B. vor dem Frühstück und vor dem Mittagessen. Dann kommen sie von den Toiletten und fragen mich: „Warum ist das Wasser eigentlich so kalt? Warum gibt es kein warmes Wasser?“ Gute Frage Kind, gute Frage…

Der Corona-Stempel von einem Onlineshop für Lehrer*innen: die Kinder sollen so lange und gründlich ihre Hände waschen, bis der Stempel verschwunden ist. Meine Schüler*innen machen das nur, wenn sie möchten.

Mittlerweile wird ja über das Händewaschen und Desinfizieren kaum gesprochen – ist das eigentlich noch aktuell? Wie groß ist die Infektionsgefahr über Oberflächen und durch Schmierinfektionen über die Hände?

 3. Abstand und Plexiglas

Am Anfang der Pandemie, im März 2020, sagte unsere Kanzlerin Angela Merkel: „Solidarität zeigen, indem Sie Abstand zueinander halten.“
Okay, bin ich dabei. Privat kann ich entscheiden, mit wem ich mich treffe und ob ich Abstand halte. Auf Arbeit sind meine Entscheidungen begrenzt.

LEHRER*INNEN
Im Lehrer*innenzimmer hat jede*r seinen eigenen Platz, das sind ca. 1m Tischlänge – wir sitzen also Schulter an Schulter. Für die Größe es Kollegiums sind die Räumlichkeiten eh schon klein. Jetzt sollen wir also auf Abstände achten, d.h. wir müssen uns auseinandersetzen oder ganz auf den Aufenthalt im Lehrer*innenzimmer verzichten, denn es gibt eben nicht genug Platz. In der Praxis sitzen natürlich trotzdem alle dort, meist ohne Maske, denn wir essen und trinken im Lehrer*innenzimmer.
Im Unterricht sollen wir auch Abstand zu den Kindern halten. Das heißt eigentlich, dass ich mich von meinem Lehrer*innentisch und der Tafel nicht wegbewegen dürfte. Aber ich muss ja an die Tische der Kinder und ihnen helfen, auf Stifthaltungen achten usw. Es ist nicht möglich in einer 1. Klasse auf Abstände zu beharren.

Man bedenke zudem, dass wir auf den Arbeitswegen auch keinen Abstand halten können. Die meisten Kolleg*innen kommen bei uns mit der BVG, nicht im Auto. So auch die Schüler*innen.

Aufkleber „Bitte Abstand halten!“ von Mai 2020 – heute sind die Aufkleber verschwunden oder stark abgenutzt.

SCHÜLER*INNEN
Bei der Schulöffnung im Mai 2020 kamen max. zehn Schüler*innen einer Klasse in die Schule – es war möglich, den Mindestabstand zu halten. Wir stellten Tische und Stühle um, sperrten Plätze. In den Nachrichten sah man Lehrer*innen mit Zollstöcken herumrennen, die die 1,5-Meter prüften. Den Kindern mussten wir dann nahebringen, wie viel 1,5m sind und die Kleinen wussten ja nicht einmal, was Meter oder überhaupt Maßeinheiten sind. Ausgestreckte Arme der Kinder wurden als Hilfestellung benutzt. Das sind zwar nicht 1,5m, aber wenigstens ein Abstand.
Beim Schulstart im August 2020 wurden die Abstandsregeln abgeschafft, damit wieder alle Kinder im Regelbetrieb beschult werden konnten. Meine frisch eingeschulte Klasse lernte also keine Abstandregeln in der Schule kennen.
Jetzt nach der Schulöffnung im Februar 2021 sind halbe Klassenstärken und Abstände angesagt. Ich erklärte es also meinen Erstklässlern. Es ging wieder los mit der gesprungenen Platte – „Abstand!!!“ klingt es ständig und überall in der Schule. Die Schüler*innen stellen sich also im Abstand hintereinander auf, um zum Schulhof oder in die Mensa zu gehen. Auf dem Hof und in der Mensa sind sie dann wiederrum ohne Abstand und ohne Masken…
Nach der Schule gehen sie mit Klassenkameraden auf Spielplätze und besuchen sich gegenseitig. Einen Haushalt darf man ja treffen, jeden Tag einen. Während die eine Gruppe in der Schule Lern, z.B. Gruppe A, hat die andere Gruppe (B) eine Woche Zeit für Reisen, Familienfeiern und Treffen mit Freunden.
Somit wird die „Abstandsregel“ nur in wenigen Momenten in der Schule tatsächlich eingehalten.

Problematisch ist auch, dass durch die Abstandsregeln viele wichtige Unterrichtsmethoden und Sozialformen nicht möglich sind. Wir treffen uns nicht im „Erzählkreis“ zum Austausch und betrachten nicht Materialien im „Kinositz“ vor der Tafel. Die Schüler*innen können nicht in Partner- oder Gruppenarbeit lernen. Sie dürfen nicht gemeinsam an Material arbeiten, z.B. Material zu Ziffern und Mengen im Mathematikunterricht in der ersten Klasse. Lesespiele mit Kärtchen, Domino, Memory – all die Dinge, die ich sonst täglich genutzt habe.

Plexiglasscheibe in einer Klasse, in der ich vertreten habe.

Plexiglasscheiben haben wir im Sekretariat und in ein paar wenigen Klassenräumen auf Pulten. Zu den Scheiben gab es keine Vorgaben, es war also die Entscheidung der Schule, ihr Personal auf diese Weise zu schützen. Das war, meiner Meinung nach, im Sekretariat auch bitter nötig. Das ist ein sehr kleiner Raum, den täglich viele Menschen betreten.
Lehrer*innen, die zur Risikogruppe gehören, bekamen Plexiglasscheiben für ihre Klassen. Ich habe beobachtet, dass die Kinder oft hinter diese Scheibe kommen, um diesen Lehrer*innen z.B. ein Entschuldigungsschreiben zu geben. Und die Lehrer*innen gehen durch die Klasse, um den Kindern beim Lernen zu helfen. Der Nutzen der Scheiben bleibt also fraglich.
Aus welchen Töpfen die Plexiglasscheiben finanziert werden sollten, bleibt unklar und liegt in der Hand der Schule.

4. Lüften

Nach der ersten Schulöffnung im Mai 2020 hieß es – lüften! Bei uns an der Schule hieß das, dass wir erst einmal herausfinden mussten, wie die Fenster aufgehen.
Mein Klassenraum ist im dritten Stock und da es ein denkmalgeschützter Altbau ist, habe ich zwei riesige wunderschöne Fenster. Vor Corona habe ich zum Lüften stets die Kippfenster oben geöffnet. Es kam frische Luft rein und gut war’s. Die unteren Fenster werden sonst nur von den Fensterputzern geöffnet, sie haben keine Griffe. Ich braucht also einen Fensterschlüssel. An der Schule hatten einige ältere Kolleg*innen solche Fensterschlüssen, aber nicht alle. Der Hausmeister bestellte neue. Bei meinem ersten Versuch ein Fenster mit dem Schlüssel zu öffnen, brach dieser ab und ich schnitt mir in den Finger. Jetzt weiß ich: zu ist auf und auf ist zu!

Ich lernte das Fensteröffnen: zu ist auf und auf ist zu!

Mein erster Versuch mit dem Fensterschlüssel Anfang August 2020.

In der Schule haben wir unterschiedliche Fenster und dafür braucht man wohl unterschiedliche Fensterschlüssel, d.h. bei Vertretungen in anderen Klassen weiß ich nicht, wie ich die Fenster aufmachen soll. Wenn ich Glück habe, wissen die Schüler*innen, wo der Schlüssel im Raum verstaut ist.

Luftfilteranlagen bekommen wir wohl nicht, weil sich die Fenster in allen Räumen unserer Schule öffnen lassen.
Aber wir haben wirklich Glück, denn in vielen Berliner Schulen lassen sich die Fenster nicht öffnen. Entweder es sind super alte Fenster, die auseinanderfallen und deshalb vernagelt sind, oder es sind ganz neue Gebäude, in denen einfach nicht vorgesehen ist, dass Fenster in Klassenräumen weit geöffnet werden.

iOS-App „Wecker&Timer“ zur Erinnerung an die Zeiten zum Lüften.

Ich lüfte alle 20 Minuten für die Dauer von 5 Min. Dabei muss ich die Fenster genau im Auge behalten, weil die kleinen Erstklässler sonst aus dem Fenster im dritten Stock fallen und sterben könnten.
Zur Erinnerung habe ich mir eine Wecker-App installiert, die zu den entsprechenden Zeiten klingelt. Dabei habe ich verschiedene angenehme Töne ausgesucht. Ich möchte nicht, dass die Kinder mit einem bestimmten Geräusch etwas Negatives verbinden („pawlowscher Hund“). Bei jedem Öffnen der Fenster sagen die Kinder „Oh nein, lüften…“ und nach ein, zwei Minuten „Mir ist kalt…“ einige mit Tränen in den Augen. Ich sage dann „Tut mir leid, Corona…“ und die Kinder denken dann an all die negativen Corona-Sachen und sagen z.B. „Wegen Corona kann ich meine Oma nicht besuchen.“. Dann sitzen die Kinder da, mit Jacken, Schals, Mützen oder auch Handschuhen. Es regnet oder schneit herein, im Winter war es wirklich wie ein eisiger Sturm im Klassenraum, der Blätter durch die Gegend wirbelte.
Also ich finde das alles nicht normal. Wer kann denn lernen und sich konzentrieren, wenn es kalt ist?

Lüften und Kälte als neue Normalität (20. Nov. 2020).

Das Öffnen und Schließen der Fenster stört zudem den Ablauf des Unterrichts und nimmt in jeder Stunde ein, zwei Minuten meiner Arbeitszeit ein. Das sind dann ca. 50 Minuten in der Woche, 200 Minuten im Monat, und wenn das alle Lehrer*innen in Deutschland dauerhaft so machen…
(Ein Blogeintrag dazu hier: So läuft es momentan in der Schule! )

Eine Schülerin frühstückt in Handschuhen, weil ihr kalt ist.

Während ich meine Fenster öffne und schließe, sehe ich die Fenster der anderen Klassenräume, da das Schulgebäude eine L-Form hat. Fast alle Fenster sind immer geschlossen, nur ein paar sind auf Kipp. Dabei sind die Zeiten für alle gleich: vor der Stunde, nach 20 Min. und nach der Stunde.
Im Herbst 2020 ging ich in den Klassenraum gegenüber und wollte der Kollegin etwas Nettes tun, indem ich schon einmal die Fenster öffnete. Da kam sie herein und rief: „Nein! Nicht aufmachen! Ich mache nur die Kippfenster auf. Ich habe auch nicht diesen Schlüssel für die Fenster.“ Okay, das heißt sie ignorierte seit Wochen die Hygienemaßnahe und lüftet nicht die Klassenräume, in denen sie unterrichtet.
Mittlerweise denke ich mir: Bin ich der einzige Trottel an dieser Schule, der alle 20 Min. zu den Fenstern rennt und sie auf und zu macht?!

Kann man bei Kälte lernen? (26. Okt. 2020)

Im Lehrer*innenzimmer sind die Fenster meistens auch geschlossen, nur die Kippfenster oben teilweise offen. Ich öffne immer dort die Fenster, wo ich gerade sitze. Aber auch die unteren nur auf Kipp, denn für diese Fenster habe ich keinen Schlüssel.
Dann kommt meine Schulleitung herein, guckt mich vorwurfsvoll an, dann zum Fenster und sagt: „Es ist so kalt hier!“ während sie sich die Oberarme reibt.
Ja, es ist kalt, in diesem gesamten Gebäude, weil wir die ganze Zeit lüften müssen!

Lüften ist natürlich nicht gleich lüften. Uns wurden Grafiken geschickt, wie man richtig lüften soll. Wer möchte lernen, wie man in der Schule Lüften sollte? Hier kann man Grafiken als PDF herunterladen: https://www.berlin.de/sen/bjf/corona/grafiken-und-medien/lueften-in-der-schule.pdf

Lüften als Maßnahme zur Infektionsverhinderung, okay. Für ein paar Wochen, als Übergangslösung, okay. Aber es geht ja seit fast einem Jahr so! Und sollen wir jetzt für immer so weitermachen?
Es wäre doch DIE Gelegenheit gewesen, im Sommer Schulen mit Lüftungsanlagen auszustatten, v.a. weil dies fürs Lernen förderlich ist, was Forscher seit Jahren anmerken.

An unserer Schule wollten Eltern einiger Klassen selbst Filtergeräte kaufen. Erst wurde das innerhalb der Schule kritisch diskutiert, denn dann hätten einige Klassen einen Vorteil (die wohlhabende Eltern haben) und die anderen wären im Nachteil, das sei unfair. Nach einiger Zeit wurde das sowieso von den Bezirken untersagt, denn die Geräte müssen genehmigt und gewartet werden. Bei der RBB-Abendschau gab es Berichte über Eltern, die um selbst finanzierte Filtergeräte kämpften.
Ich habe das Gerücht gehört, dass die SenBJF nicht so viele Filteranlagen aufstellen möchte, weil das zu viel Strom verbraucht und das teuer wäre.

Ein Filtergerät, angeschafft von Eltern.

Ach ja, da fällt mir ein: wir hatten auch zwei oder drei CO2-Messgeräte geliefert bekommen (für 29 Klassen). Jeder sollte es einmal ausprobieren. Ich hatte dieses Gerät an einem Tag also auch. Ich lies Fenster und Türen geschlossen und wollte wissen, wann das Gerät anschlägt. Aber auch nach einer Unterrichtsstunde machte es kein Geräusch. Es zeigte Zahlen in grün, orange und rot an – dazu gab es einen Zettel mit Erklärungen. Es gibt wohl einen Zusammenhang zwischen Corona, Aerosolen und CO2-Werten, aber so ganz klar ist mit das nicht. Also insgesamt war das nicht hilfreich bei der Infektionsvermeidung…

Ein CO2-Messgerät zur Probe (Nov. 2020).

5. Kontaktverfolgung und Quarantäne

LEHRER*INNEN
Wenn eine Lehrerin oder ein Lehrer an Corona erkrankt, gehen die Klassen bzw. Lerngruppen in Quarantäne, in denen sie unterrichten. Dann geht die Lehrkraft nach Hause, versucht die Krankheit zu überstehen oder zu überleben und ist anschließend in Quarantäne.
Wenn man aber nur in Quarantäne ist (ohne krank zu sein), muss man seine Schüler*innen in Distanz unterrichten – also saLzH (schulisch angeleitetes Lernen zu Hause). Dabei muss man als Klassenlehrer*in parallel sehr viele Telefonate führen, beruhigen, organisieren, informieren. Vertretende Kolleg*innen brauchen Informationen und Material, Eltern müssen informiert und beruhigt werden usw.
Wenn die Lehrkraft Kontaktperson 1 ist (also z.B. ein*e Schüler*in hat Corona), dann muss man sofort zum Corona-Test. Wenn dieser negativ ist, muss man direkt zurück zur Schule, noch am gleichen Tag. Direkt weiter unterrichten.
Unschön ist es auch, wenn die Lehrkraft dann weiter in Präsenz unterrichten muss und die eigene Klasse (v.a. als Klassenlehrer*in) in Quarantäne ist. Dann muss man nämlich täglich in vielen verschiedenen Klassen vertreten (die Pflichtstunden müssen ja abgearbeitet werden!) und nebenbei muss man seine Klasse, die in Quarantäne ist, in Distanz unterrichten. Das ist dann doppelte Arbeit und doppelter Stress und viel mehr Kontakt zu verschiedenen Kohorten.

Neuerdings gibt es ja die Maskenpflicht für alle Personen an der Schule, es wird gelüftet und auf Abstand geachtet. Deshalb gehen Lehrer*innen, die direkten Kontakt (Kontaktperson 1) mit infizierten Kolleg*innen oder Schüler*innen hatten, NICHT in Quarantäne. Wozu auch? Es tragen ja alle medizinische Masken.

Jetzt kommt das Beste: Wenn ein*e Lehrer*in an Corona erkrankt ist, aber keine Symptome hat, dann soll sie/er sich nicht krankmelden, sondern muss saLzH machen! Man ist ja „gesund“ zu Hause, dann kann man auch die Kinder unterrichten!

SCHÜLER*INNEN
Wenn eine Schülerin oder ein Schüler an Corona erkrankt, geht die Klasse für zwei Wochen in Quarantäne, oder? Ja, das finde ich logisch. Und so wurde es anfangs auch gemacht. Seit Schuljahresbeginn im August bis zur Schulschließung im Dezember 2020 waren bei uns verschiedene Klassen in Quarantäne, einige mehrmals. Zu einem Zeitpunkt im November waren an unserer Schule sechs Klassen gleichzeitig in Quarantäne (von 29 Klassen). Doch im November wurden die Quarantäne-Regeln geändert: wenn ein Kind an Corona erkrankt war, wurde geprüft, wer im Klassenraum direkt neben dem Kind saß. Nur diese Kinder gingen dann in Quarantäne, die anderen gingen weiter zur Schule. Natürlich sitzt so ein Grundschüler den ganzen Tag starr an seinem Arbeitsplatz, klar. In dem Zusammenhang sollten wir Sitzpläne für Klassen- und Personalräume abgeben.
Bei einem Coronafall werden dann Mitschüler*innen und beteiligte Lehrer*innen befragt – wer hatte wie lange und wie nah Kontakt mit dem infizierten Kind?
Und diese Befragungen machen Lehrer*innen oder Schulleiter*innen, nicht das Gesundheitsamt. Es ist auch nicht ganz klar, wer Schüler*innen „in Quarantäne schickt“.
Die Kinder des 1. Kontakts werden übrigens nicht getestet – sie sind ja in Quarantäne, das reicht.

Seit Februar 2021 ist es noch besser: wenn ein Kind Corona hat, geht NIEMAND in Quarantäne! Es tragen ja alle medizinische Masken, es wird gelüftet und auf Abstände geachtet.
Die Lehrer*innen werden befragt, ob die Regeln eingehalten wurden. Wenn ja, gehen alle weiter zur Schule. Wenn nein – dann hat man fahrlässig gehandelt, denn man hat die Hygienevorschriften missachtet.

Die Situation im November 2020.

Zum Thema Nachverfolgung gibt es ja seit Juni 2020 die Corona-Warn-App. Über die Kosten und den Nutzen der App werde ich mich jetzt nicht auslassen. Ich möchte nur anmerken, dass an einer Grundschule die meisten Kinder keine Smartphones haben. Das Nutzen von Handys ist in unserer Schule untersagt. Einige Schüler*innen haben Handys, um z.B. nach der Schule die Eltern anzurufen. Sie lassen die Handys dann aber während des Schultages ausgeschaltet. Von den wenigen Schüler*innen aus älteren Klassen (5 und 6), haben die meisten alte Modelle und ich vermute mal, dass die wenigsten auf die Idee gekommen sind, sich die Corona-Warn-App herunterzuladen.
Zudem haben bei Weiten nicht Lehrer*innen und Erzieher*innen Smartphones und wenn, dann auch alte Modelle und ausgeschaltetes Bluetooth.
Fazit: Die Kontaktverfolgung mit der Corona-Warn-App ist an meiner Grundschule unmöglich.

6. Tests

LEHRER*INNEN
Seit Ende Juli 2020 gibt es die „Testung von symptomfreien Beschäftigten der Berliner Schulen“ bzw. „Offenes Screening Bildungseinrichtungen“ – seit Kurzem heißt es auf der Vivantesseite „Corona-Test Bildungseinrichtungen (Symptomfrei)“ [sic]. Die Tests sind kostenlos, freiwillig und für Personal ohne Symptome. Dieses Angebot finde ich wirklich gut und bin dankbar dafür.
Als Lehrerin hatte ich anfangs fünf Testorte zur Auswahl, im Laufe der Monate wurden es dann drei: Vivantes Wenckebach (Tempelhof), Vivantes Spandau und Vivantes Prenzlauer Berg. Ich muss vorher einen Termin vereinbaren, was ich stets online gemacht habe – über „Samedi“ (Funfact: Baron Samedi ist ein Totenherrscher aus dem Voodoo-Kult). In den Infoschreiben der SenBJF waren QR-Codes und Internetadressen wie screening.data4life.care und t1p.de/schultest, vor Ort wurden mir dann andere Apps genannt – das komplette Durcheinander.
Anfangs gab es sehr wenige Termine, man musste mehrere Wochen im Voraus buchen. Später gab es mehr Auswahl, aber immer nur min. zwei Wochen im Voraus.
Im Schreiben der SenBJF stand zwar: „Bitte unterstützen Sie nach Möglichkeit die freiwilligen Testungen ggf. auch im Rahmen der Arbeitszeit.“ aber natürlich sollten wir auf keinen Fall während der Arbeitszeit gehen!

Schild zum Testzentrum Vivantes Wenckebach (Nov. 2020).

Unklar ist mir immer noch, wie oft ich die Tests machen darf. Im Wenckebach hatte ich nachgefragt und mir wurde gesagt, ich sollte mich alle zwei Wochen testen lassen. In der Charité war die Fachkraft verwundert und meinte, das sei unlogisch, ich solle alle drei Wochen kommen. Mir ging es eher darum, wie oft es mir zusteht. Ich weiß auch nicht, wer die Kosten übernimmt – mein Arbeitgeber SenBJF oder meine Krankenkasse? Ich meine mich zu erinnern, dass in irgendeinem Schreiben „zweimal im Monat“ stand, aber das Schreiben finde ich nicht. Und was passiert, wenn ich mich drei- oder viermal im Monat testen lasse? Bekomme ich eine Rechnung? Ich weiß es nicht, ich lasse es darauf ankommen.

Bis November oder Dezember 2020 wurden PCR-Tests durchgeführt. Die Ergebnisse habe ich nach 8 bis 48 Stunden per E-Mail und/oder auf die Corona-Warn-App bekommen. Ende 2020 wurden dann „nur“ Schnelltests gemacht. Ich machte mir Termine im Wenckebach oder in Spandau, je nachdem, wo mir die Termine besser passten. Eine Zeit lang gab es in Spandau mehr Termine, weil dort das Krankenaus unter Quarantäne stand, weil die britische Virusvariante B117 aufgetaucht war und sich schnell verbreitet hatte. Das Testzentrum ist aber in einem (heruntergekommenen) Container-Bau nebenan, also hatte ich keine zu großen Befürchtungen. Anfang März 2021 machten sie in Spandau wieder PCR-Tests, im Wenckebach aber weiter „nur“ Schnelltests. Das ist von daher interessant, weil es die Schnelltests mittlerweile auch an Schulen gibt – ich bin also jetzt eher an PCR-Tests interessiert.

Teststelle Vivantes Spandau (März 2021).

Neuerdings kann ich mich als Berlinerin auch einmal wöchentlich kostenlos testen lassen – sog. „Bürgertests“. Das habe ich am letzten Wochenende bei meinem DRK um die Ecke gemacht, weil ich zwei Freunde treffen wollte, die seit Monaten isoliert im Homeoffice arbeiten. Da fühle ich mich wie ein „Risikomensch“ mit meinen hunderten Kontakten in der Schule.
Neuerdings brauche man in Berlin auch einen negatives Testergebnis, wenn man zum Friseur oder einkaufen gehen will – „testen und bummeln“ wie es die Kanzlerin nannte. Angeblich können wir dafür auch die Tests der Schule verwenden, indem ein Formular ausgefüllt wird. Das wäre dann wirklich praktisch.

Der Präsenzunterricht begann wieder am 22. Februar 2021, am 25. Februar wurden zwei Kolleginnen als Testerinnen für Schnelltests geschult. (Wir hatten eigentlich drei Freiwillige, aber es durften nur zwei zur Schulung gehen.) Seit dem 1. März können wir uns zweimal wöchentlich in der Schule – in der Sporthalle – testen lassen.
Die Kolleginnen bekommen offiziell keinen Ausgleich für ihre Arbeit, an unserer Schule wohl eine Ermäßigungsstunde. Als eine der Testerinnen letztens ausfiel, übernahm die andere ihre Termine. Das ist viel unbezahlte zusätzliche Arbeitszeit.
Den Schnelltest führen wir selbst durch, aber die Kolleginnen bereiten alles vor, leiten uns an und überwachen den Prozess. Mit nach Hause nehmen dürfen wir die Tests nicht! Wir dürfen sie gar nicht selbst anwenden, es sind schließlich keine SELBSTtests, sondern Schnelltests. Also am Ende eines Wochenendes oder am Ferienende können wir uns nicht selbst testen.
Dabei haben natürlich mehrere Kolleg*innen danach gefragt und GEHEIM Tests mit nach Hause bekommen…
Umgekehrt ist es bei den Schüler*innen, die sollen die Tests nicht in der Schule machen, sondern sollen jede Woche zwei Tests nach Hause bekommen und sie dort anwenden.

Schnelltest in der Turnhalle für das Personal unserer Schule,

SCHÜLER*INNEN
Die Pandemie gibt es jetzt ein Jahr und während der ganzen Zeit wurden Schüler*innen überhaupt nicht getestet. Meistens nicht einmal, wenn es einen Coronafall in der Klasse gab (Alternative: Quarantäne). Ich habe sogar gehört, dass Kinderärzte von Tests abgeraten haben, wenn Eltern danach fragten. Einige Eltern zahlten privat Tests, um ihre Kinder testen zu lassen.
Es gib Situationen, in denen „freigetestete“ Kinder zur Schule kommen wollten, aber ihre Klasse war noch in Quarantäne. Eltern drohten mit Klagen.
Erst jetzt, nach über einem Jahr, sollen Kinder in Schulen getestet werden.

Es ist geplant, dass sich Schülerinnen und Schüler zweimal die Woche testen lassen können. Einige Oberstufen in Berlin haben damit wohl schon begonnen, aber in unserer Grundschule sind bisher keine Selbsttests angekommen. Donnerstagabend, zwei Tage vor den Osterferien, bekam die Schulleitung eine Information, dass morgen – am letzten Tag vor den Ferien – die Tests geliefert werden sollen.
Natürlich, am aller letzten Tag. Damit die SenBJF sagen kann: Wir haben Tests für Schüler*innen VOR den Ferien geliefert!
Als ich am Freitag um 11:20 Uhr Schluss hatte und meine Klasse abgeholt war, waren die Tests noch nicht geliefert worden.

In Beiträgen der ARD-Tagesschau haben ich gesehen, wie sich Kinder im Klassenraum selbst testen. Dafür haben alle Schüler*innen gleichzeitig die Masken abgenommen… Ist das so eine gute Idee?
In Berlin sollen wir die Tests den Kindern mit nach Hause geben.

Ein Vorschlag für die Ministerpräsidentenkonferenz bzw. den „Corona-Gipfel“ am 22. März war, dass Schulen nur Präsenzunterricht machen sollen, wenn die Schüler*innen zweimal wöchentlich getestet werden (können). Aber das wurde nicht entschieden. Überhaupt wurde NICHTS bezüglich Schule entschieden, auch nicht bei welchen Inzidenzwerten es Schulschließungen geben soll.

Wenn wir irgendwann die Selbsttests für die Kinder geliefert bekommen, hat die Schule mal wieder zusätzliche Aufgaben. Die Tests kommen in Großpackungen und wir sollen sie in kleine Pakete umwandeln.
Nehmen wir dafür Papiertüten? Wer macht das? Darf man medizinische Produkte überhaupt so manipulieren? Braucht man dafür einen Schutzanzug? Geben wir jedem Kind zwei Tests mit? An welchem Tag? Sollen wir in den Ferien oder am Wochenende ausgeben? Wie bekomme die Gruppe, die gerade zu Hause lernt, die Tests ausgehändigt? Was ist, wenn sie die Tests nicht wollen oder sie verkaufen/verschenken? Wer führt eine Liste, welches Kind wann wie viele Tests bekommen hat? Wo werden die wertvollen Tests aufbewahrt? Bekommen wir die Tests wöchentlich geliefert (wir bräuchten jede Woche ca. 1000 Tests)? Sind die Tests dann auch für umliegende Kitas, so wie bei den Schnelltests für das Personal? Sollen wir den Kindern zeigen, wie man die Tests anwendet? Oder den Eltern? Sollen wir Videos mit Anleitungen in verschiedenen Sprachen im Internet raussuchen und dann den Eltern schicken? 

Wir sollten Selbsttests von zwei Firmen bekommen: „Roche“ und „Siemens“. Bei denen von Siemens gab es wohl ein Problem, die Stäbchen müssen ausgetauscht werden. Zudem ist die Flüssigkeit bei den Siemens-Tests in einer Flasche für 10 Tests, die kann man also nicht aufteilen. Die Tests sind unterschiedlich verpackt und haben unterschiedliche Anweisungen. Nach Erzählungen aus anderen Schulen fehlen in den Packungen teilweise einzelne Teile. Das wurde wohl in großer Eile verpackt…
Einige Berliner Schulen haben wohl Tests einer anderen Firma bekommen: „nal van minden“ – diese sind aber noch nicht zugelassen und durften nicht rausgegeben werden.

Beim BSB (Bezirksschulausschuss) am Donnerstag vor den Ferien sagte die Schulaufsicht meines Bezirks für Grundschulen, dass wohl einfach schnell das bestellt wurde, was es gab. Zu der Frage eines Vaters nach einer Teststrategie für Grundschulen (z.B. An welchen Tagen soll getestet werden?) wühlte die Vertreterin in ihren Papieren und sagt: „Dazu habe ich keine Informationen…“

7. Impfungen

LEHRER*INNEN
Am 24. Februar 2021 wurde die Impfverordnung geändert, ab sofort können Menschen geimpft werden, „die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege und an Grundschulen tätig sind“ (bundesweit).
Berlin entschied, dass zuerst Erzieher*innen sowie Lehrer*innen an Förderschulen geimpft werden – zurecht, diese Gruppen sind am meisten gefährdet.

Als nächstes waren wir Grundschullehrer*innen an der Reihe. Am 17. März erfuhren wir, dass unsere Einladungen vorbereitet werden und der Clou: wir können uns den Impfstoff aussuchen! Bis dahin konnte wir nur AstraZeneca nehmen. Andere Bundesländer waren schon viel weiter mit den Impfungen für Lehrer*innen, die haben aber alle „nur“ AstraZeneca bekommen.
Unsere Impfungseinladungen mit dem Code bekam unsere Schule am 19. März – andere Schulen im Bezirk schon einen Tag vorher. Wir bekamen die personalisierten Einladungen nicht per E-Mail (in Berlin haben wir keine Dienst-E-Mail-Adressen…) und auch nicht als Brief. Die Einladungen kamen gesammelt an die Schule. Die Sekretärin an meiner Schule hatte an dem Tag sehr viel Arbeit, denn sie druckte die Schreiben aus (für jede*n zwei Seiten), gab sie aus und holte dafür Unterschriften ein. Die Anlagen sollten dann gesondert per E-Mail kommen. Diese Anlagen bekam ich erst sechs Tage später der E-Mail von meiner Schulleitung. Ich weiß von anderen Schulen, dass die Einladungen mit Anlagen per E-Mail weitergeleitet wurden. Warum das an unserer Schule nicht ging, weiß ich nicht.
Die Folge war, dass ich die Einladung für eine Kollegin mitgenommen habe, die an dem Tag nicht da war. Andere Kolleg*innen kamen extra für den Code zur Schule oder wieder zurück, weil sie schon Schluss hatten. Also viele unnötige Begegnungen und Kontakte in einem kleinen Sekretariat ohne Lüftungsanlage.

Impfeinladung mit Code (Datum 18.03.2021)

Nun stehen wir vor der Entscheidung: entweder sofort mit AstraZeneca impfen lassen (es wäre noch an selben Tag möglich gewesen) oder später mit BioNTech oder Moderna. Nach dem Impfstopp von AstraZeneca vom 15. bis 16. März und mit den Einschränkungen seit 30. März, gibt es doch Zweifel an der Sicherheit und schon einige Tote in dem Zusammenhang, allein in Deutschland und v.a. bei jungen Frauen.
Als wir die Codes bekommen haben, waren die Ersttermine für BioNTech Ende April / Anfang Mai und die Zweittermine im Juni. Die meisten Kolleg*innen meiner Schule haben sich solche Termine ausgesucht. Der volle Schutz der Impfung gilt erst nach der Zweitimpfung und noch zwei Wochen danach, also Mitte Juni. Die Sommerferien in Berlin beginnen am 24. Juni…

Ich überlegte: Soll ich doch lieber sofort AstraZeneca nehmen und bin dann viel schneller geschützt?
Durch Änderungen in den Impfzentren konnte ich jetzt einen Ersttermin am 4. April für BioNTech ergattern! Ich bin überglücklich! Und auch froh, dass ich mich nicht für AstraZeneca entschieden habe. Kolleg*innen berichteten davon, dass sie noch Tage nach der Impfung krank im Bett lagen oder Wochen später Schmerzen und Rötungen an der Einstichstelle hatten. Hoffentlich bleibt mir das erspart und ich habe einen hohen Schutz mit BioNTech. Allerdings hört man jetzt, dass voll Geimpfte neu an Corona erkranken (B117), ohne oder mit leichten Symptomen. Die Pandemie scheint durch die Impfungen also nicht gestoppt zu werden…

Die Kolleg*innen gaben sich gegenseitig Tipps, wo und wie man an die frühesten Termine kommt. Natürlich habe ich sofort die frühsten Termine genommen, die mir angeboten wurden, egal welcher Tag und welche Uhrzeit. Ich würde auch an einem Sonntag um Mitternacht hingehen oder am Vormittag an Schultagen – was ja gar nicht geht! Der erste Kollege wurde letzte Woche schon zur Schulleitung zitiert, weil er es GEWAGT hat den Termin so zu legen, dass UNTERRICHT AUSFÄLLT! Ja, wie kann man denn so dreist sein? Er kann doch auch einen späteren Termin nehmen!
Soweit ich weiß, gibt es da auch keine Empfehlung von der SenBJF. Der Lehrermangel ist einfach so eklatant, das System droht ständig zusammen zu brechen.

SCHÜLER*INNEN
Für die Schülerinnen und Schüler stehen Impfungen überhaupt nicht in Aussicht. Es gibt jetzt erst die ersten Studien und noch keine Zulassungen für Kinder und Jugendliche. In anderen Ländern wird wohl an Schluckimpfungen geforscht und ein Einsatz wäre Ende des Sommers möglich. In Deutschland ist davon keine Rede.

Wie ist es also, wenn ich geimpft in einem Raum mit ca. 20 Kindern bin, von denen ein Kind Corona hat? Bin ich 100% davor geschützt mich zu infizieren? Oder ist „nur“ 100% sicher, dass ich keinen schweren Verlauf habe und sterbe? Kann ich das Virus trotz Impfung weitergeben, z.B. an Freunde, die noch lange nicht geimpft sind?
Sollen die Kinder noch monatelang Masken tragen, damit sie sich nicht untereinander anstecken? Sie haben schließlich gar keinen Schutz.

 

Wer hat eigentlich Corona?
Tja, das weiß niemand so genau, denn es unterliegt dem Datenschutz. Die Schulleiterin darf uns nicht darüber informieren, welche Schüler*innen oder Lehrer*innen an Corona erkrankt sind.
Man erfährt nur Halbwahrheiten über Mundpropaganda oder man kann geschickt den Vertretungsplan lesen. Dort steht dann z.B. überraschend am Morgen, dass eine bestimmte Klasse in Quarantäne ist. Oder Kolleg*innen, die sonst nie fehlen, fehlen ganz plötzlich über längere Zeit. Oder eine Klasse kommt nicht zur Schule (macht saLzH), weil die Klassenleitung in Quarantäne ist.
Nur wenn man potenziell direkten Kontakt zu einer*m Infizierter*n hatte, wird man wohl von der Schulleitung angesprochen. Das ist mir bisher zum Glück nicht passiert.

In ganz Berlin wurden seit der Schulöffnung im Februar 2020 bis zu den Osterferien (27. März) 506 Schüler*innen und 126 Schulpersonal positiv auf Sars-Cov2 getestet. (vgl. Tagesspiegel vom 26.03.2021 https://t1p.de/k0k0, die dazugehörige Seite des SenBJF finde ich leider nicht.)


Das Thema Schulen und Kitas während der Pandemie ist so wichtig und so schwierig!
Wie geht es weiter?

 Einerseits ist es mir sehr wichtig, dass die Kinder gute Bildung bekommen und sich gut entwickeln können (logisch, sonst wäre ich keine Lehrerin). Andererseits möchte ich, dass sowohl die Schüler*innen als auch die Lehrer*innen gesund bleiben!
Ich hoffe mal, dass bei Inzidenzen von 500 oder 1000 die Schulen dann doch geschlossen werden…

 

[1] Quelle: Statista https://t1p.de/gqkr und https://t1p.de/tznb

[2] Bildungssenatorin von Berlin Sandra Scheeres (SPD) sagte im Nov. 2020, dass Schulen und Kitas „die sichersten Orte“ seien; „Die Schulen sind sichere Orte“, befand auch die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auch im Nov. 2020

16. März 2021
von FrauSonne
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1 Jahr Schulschließungen

Corona und Schule – eine Chronik
Tagebuch einer Lehrerin

Mein Corona-Jahr als Berliner Lehrerin

Heute vor einem Jahr, am Montag, 16. März 2020, war der letzte „normale Schultag“, danach wurden die Schulen in Berlin geschlossen. Das war ein riesiger Schock. So einen Begriff wie „Schulschließung“ kannte vorher gar nicht. Überhaupt: die Vorstellung, dass der Schulbetrieb aus irgendeinem Grund ausgesetzt wird, konnte ich mir niemals vorstellen.
Als Kind bin ich jeden Tag zur Schule gegangen, ich hatte fast keinen Fehltag. Den Begriff „Schule schwänzen“ habe ich erst spät auf dem Gymnasium kennengelernt und habe auch in schwierigen Zeiten (die Pubertät…) kaum eine Schulstunde verpasst. Meine Eltern gingen morgens zur Arbeit, mein Bruder und ich zur Schule – glasklare Sache, keine Diskussion.
Als Jugendliche habe ich mal bei einer Mitschülerin zu Hause mitbekommen, wie ihre Mutter sagte: „Morgen kannst du zu Hause bleiben, dein Papa hat Geburtstag, wir bereiten die Feier vor.“ Das hat meine Welt ins Wanken gebracht. Jemand bleibt zu Hause, obwohl er nicht krank ist? Unvorstellbar.

Doch nun leben Kinder und Jugendlichen in einer Welt, in der es normal ist, dass die Schule nicht jeden Tag stattfindet. In Berlin ist momentan sogar die Präsenzpflicht ausgesetzt.

Seit dem 16. März 2020 ist in der Schule nichts mehr „normal“. Auch für Personen, die keine Verbindung zu Schule haben, war der Zeitpunkt der Schulschließungen quasi der Start der Pandemie: „Wenn sogar die Schulen schließen, dann muss es ja wirklich ernst sein.“

Wie funktioniert Schule seit einem Jahr?
Im Folgenden habe ich eine Rückschau zusammengestellt, welche Phasen und Änderungen es in diesem Jahr im System Schule gab – beispielhaft an meiner Stadt Berlin, meiner Schule, meinem Einsatz in der Schule und meinem Leben.
Die Zusammenstellung soll auch zeigen, wie sich meine Arbeit als Lehrerin ständig geändert hat und wie ich mich immer wieder umstellen musste. Sie soll zudem zeigen, dass es eine „Sondersituation“ ist, die jetzt ein Jahr anhält. Es gilt also nicht – alles nur für kurze Zeit, alles eine Ausnahme. Ich muss meine privaten Endgeräte für die Arbeit nutzen, meine Internetverbindung, mein Telefon. Ich muss mehr Unterrichtsstunden geben und mehr Aufgaben übernehmen. Alles nur übergangsmäßig, alles nur für kurze Zeit, alles nur, weil es eine Notsituation ist. Aber es ist eben nicht mehr nur kurz, für ein paar Wochen oder Monate. Es geht jetzt genau ein Jahr.

FEBRUAR 2020
Ende Februar gab es erste Gerüchte darüber, dass einzelne Schulen in Berlin schließen, weil Coronafälle aufgetreten seien.
In der ESL (erweiterten Schulleitung) stellten wir erste Überlegungen an, was die Entwicklungen für Auswirkungen auf unsere Schule haben könnten. Aber niemand rechnete wirklich damit, dass das Virus unser Leben ändern würde.
Am 29. Februar wurde die Berliner Reisemesse ITB abgesagt und am 1. März wurde dann die erste Person in Berlin bestätigt, die am „neuartigen Coronavirus“ erkrankt war, ein Mann aus Mitte.

MÄRZ 2020
Anfang März habe ich realisiert, dass eine Pandemie auf uns zu kommt. Ich habe es tatsächlich früh geahnt, weil ich viele Nachrichten in verschiedenen Sprachen konsumiere. Anfang März sagte ein Kollege zu mir: „Nächste Woche Mittwoch Kino steht, oder?“ Ich antwortete: „Du, ich glaube nicht, dass wir da ins Kino gehen können. Ich denke, die werden zu sein. Und die Schule auch.“ Er sah mich komplett ungläubig an und hatte keine Idee über die Dimension der Lage.

Meldung am 2. März: die erste Berliner Schule schließt wegen Corona – eine Lehrkraft hatte sich in Tirol angesteckt.

Am 4. März kaufte ich erste Vorräte und Medikamente wie Erkältungs- und Schmerzmittel.

Am Mittwoch, 11. März schrieb ich einen Brief an die Eltern meiner Klasse mit dem Thema „Aufgaben für eventuelle Coronaferien“. Meine Schulleiterin war empört und verbot mir das Wort „Coronaferien“ zu verwenden. Ich änderte es in „Aufgaben für das Üben zu Hause“. Ich schrieb den Eltern, was die Kinder zu Hause üben können und gab ihnen Codes für die ANTON-App. In der Woche gab ich ihnen alle Materialien mit, die in der Schule lagerten. Einige Kolleg*innen wunderten sich über mein Vorgehen.

Brief an Eltern – eventuelle „Coronaferien“

11. März 2020: WHO ruft die COVID-19-Pandemie aus.

Am Donnerstag, 12. März war ich im Rathaus beim „Bezirksausschuss des pädagogischen Personals“, bei dem sich Lehrer*innen aus meinem Bezirk monatlich treffen. An dem Tag musste ich sogar das erste Mal die Leitung der Sitzung übernehmen, weil ich eine stellvertretende Vorsitzende bin und alle anderen nicht kommen konnten. Bei diesem Termin war ein Polizeihauptkommissar des Bezirks eingeladen, er sollte uns etwas zur Gewaltprävention an Schulen erzählen, was er auch tat. Am Ende seines Vortrags sagte er dann:
„Ach übrigens, die Polizei Berlin bereitet sich darauf vor, alle Schulen für 10 Wochen zu schließen. Wir räumen Sporthallen für den Notfall frei und bereiten uns auf Plünderungen vor. Wann es genau losgeht, wissen wir nicht. Aber sagen Sie das bitte nicht weiter, das ist jetzt alles inoffiziell.“
In dem riesigen Sitzungssaal war es absolut still und alle Kolleginnen und Kollegen sahen schockiert aus. Ich saß mit offenem Mund da. Der Polizeihauptkommissar sprach weiter über Gewaltprävention an Schulen, da stoppte ihn ein Kollege und sagte: „Entschuldigung, was haben Sie eben gesagt? Schulen werden geschlossen? 10 Wochen? Habe ich das richtig verstanden? Und wir dürfen niemanden informieren?“ Danach waren wahrscheinlich alle gedanklich nur bei dieser Information. Ich schrieb meiner Schulleitung im Vertrauen, was ich eben gehört hatte. Ich ahnte, dass schwierige Zeiten auf sie zukommen würden.
Nach der Sitzung ging ich noch in den Supermarkt und kaufe Nudeln und Konserven, bis der Kofferraum meines Autos voll war.

Am Freitagmorgen des 13. März kam der Brief der SenBJF an Schulleitungen mit der Überschrift: „Schließung der allgemeinbildenden Schulen ab Dienstag, 17.03.2020“
Die Schulleiterin schrieb schnell einen Elternbrief mit der Überschrift „Eilmeldung!!“, welcher eilig kopiert und verteilt wurde. Ich machte ein Foto davon und schickte es der Elternvertreterin meiner Klasse. Um 10:46 Uhr informierte ich sie darüber, dass die Kinder meiner Klasse bitte so schnell wie möglich abgeholt werden sollen. Die Eltern sollten in den Klassenraum kommen und die restlichen Materialien mitnehmen. Für viele Eltern war es bis heute das letzte Mal, dass sie das Schulgebäude betreten haben.

An diesem Tag bekamen wir von der Schulleitung auch die Information, dass ab sofort alle Ausflüge sowie Dienstreisen verboten sind. Wir hatten damals mehrere Fahrten über das „Erasmus plus“ Programm geplant. Eine Abschluss-Klassenfahrt mit meiner Klasse wurde damit auch unmöglich.
Wir sollten uns Aufgaben für drei Wochen überlegen, die die Schüler*innen im Falle einer Schulschließung machen sollten. Aber den Kindern sollten wir noch nichts sagen, um Panik zu vermeiden.
Oh man, wir wussten ja nicht wie schnell und stark Kinder mit der Pandemie konfrontiert sein würden.

Bei Twitter schrieb ich um 9:06 Uhr:
Merkel: „Solidarität zeigen, indem Sie Abstand zueinander halten.“
@SenBJF: „Bis auf weiteres müssen sich Schulleitungen, Lehrkräfte und das pädagogische Personal auf ihren Dienststellen einfinden.“
Soziale Kontakte meiden oder am Montag Arbeit in Schule? #Schulschliessung
Um 9:51 Uhr:
Ich fühle mich wie in dieser Szene bei „#Titanic“, in der die zwei Musiker noch Musik spielen und das Schiff untergeht… #LehrerLeben in #Berlin @RegBerlin @SenBJF

Später würde sich herausstellen, dass ich im Laufe des Pandemiejahres die aktuellen Informationen über den Twitter-Account der SenBJF bekommen würde – vor den Medien, Eltern, Schüler*innen und lange vor den Schulleitungen.

Sonntag, 15. März – Pressenmitteilung: „In Berlin werden ab dem 17. März alle Kitas und allgemeinbildenden Schulen geschlossen.“. Schließung bis zu den Osterferien, also drei Wochen. Wow, das war echt der Hammer, Unglaublich, unfassbar – dass es so etwas gibt.

Am Montag, 16. März gab es dann eine Notfall-Dienstbesprechung in der Aula. Ich weiß gar nicht mehr, worum es ging. Wahrscheinlich darum, wie wir den Kindern Aufgaben geben und wie eine Notbetreuung aussehen wird.
An dem Tag kamen nicht mehr viele Kinder in die Schule, in meiner Klasse waren es drei (von 23). Eine Schülerin hat eine Mutter im systemrelevanten Beruf und ein Schüler hat Eltern, die nicht an Corona glauben – das würde sich dann aber erst später herausstellen.
Am Dienstag sollten alle Lehrer*innen und Erzieher*innen in die Schule kommen, weil – irgendwas, Dienstpflicht. Es kann ja nicht sein, dass wir einfach mal nicht zur Arbeit kommen. Ab Mittwoch war ich zu Hause und saß an meiner Nähmaschine – ich nähte die ersten Stoffmasken.

In der restlichen Woche kamen Kolleg*innen ins Schulgebäude, machten Kopien, gaben Materialien aus und kümmerten sich um Pflanzen in ihren Klassenräumen.
Ich hatte das alles schon erledigt und meine Pflanzen in der Woche davor mit nach Hause genommen. Diese Pflanzen hatte ich dann am Anfang des Schuljahres im August 2020 wieder in die Schule gebracht – mit der naiven Annahme, dass die Pandemie fast vorbei war. Jetzt stehen die Pflanzen wieder bei mir zu Hause. Mal sehen, wann sie endgültig in die Schule ziehen können.

die Klassenpflanzen im Sept. 2020

Nach der Schulschließung war ich mit den Eltern meiner Schüler*innen per E-Mail und mit der Elternvertreterin telefonisch in Kontakt. Zum Glück hatte ich eine gepflegte Verteiler-Liste und die Eltern waren an die Kommunikation über E-Mail gewohnt. Ich informierte über Entscheidungen bzgl. des Schulbetriebs und schickte Hinweise zu Übungen. Aber ich ließ die Eltern größtenteils in Ruhe, weil ich davon ausging, dass sich alle an die neue Situation gewöhnen mussten und einige Familien vor schwierigen Entscheidungen standen und Probleme lösen mussten.

Bis zu den Osterferien gab es eine „Notbetreuung“ und dann die sog. „Ferienbetreuung“. Bei uns war es lange Zeit nur eine Schülerin, die betreut werden musste. Für diese Betreuung wurden Lehrer*innen und Erzieher*innen herangezogen, die unter 60 Jahre alt waren und wahrscheinlich nicht zur Risikogruppe gehören – dies war damals noch nicht klar definiert. Ich wurde zweimal in die Notbetreuung eingesetzt. Für ein Kind. Es gab Pläne mit Einsätzen und Vertretungen – für ein Kind.
Damals ließ ich mir eine Bescheinigung ausstellen, dass ich in der Schule arbeite und einen „triftigen Grund“ habe mich draußen aufzuhalten. So etwas wurde in Berlin aber niemals kontrolliert.

APRIL 2020
In den ersten zwei Wochen habe ich das Thema Schule komplett verdrängt und ignoriert, denn es waren Osterferien.

Ganz Deutschland saß zu Hause, das öffentlich Leben stand still.
Für mich war es organisatorisch keine große Umstellung, denn ich bin sowieso gerne zu Hause. Es fühlte sich tatsächlich an, als wären es lange Ferien, nur dass ich nicht verreisen oder ins Kino gehen konnte. Ich habe die Zeit auch genießen können, denn ich konnte endlich Sachen zu Hause machen, für die sonst keine Zeit war, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, dass ich „draußen“ etwas verpasse.

Die Zeit war für mich psychisch belastend, denn ich kam schlecht damit klar, dass ich nicht planen konnte – sowohl beruflich als auch privat. Niemand auf der ganzen Welt wusste, wie es weitergehen würde. Alle Termine für die nächsten Wochen waren gestrichen oder ungewiss. Und die Angst um die Gesundheit meiner Familie, v.a. meiner Oma.
Der größte Schock waren für mich die geschlossenen Grenzen. Ich bin kurz vor dem Mauerfall geboren und ohne Mauer aufgewachsen. Seit vielen Jahren reise ich ohne
Grenzkontrollen frei durch Europa. Ich bin fest davon ausgegangen, dass das für immer so bleiben würde.
Andererseits war ich sehr gespannt, welche Auswirkungen die Situation auf die Menschen auf der ganzen Welt haben würde. Viele Gedanken habe ich mir darüber gemacht, was es für Kinder bedeuten würde.

Nach den Osterferien machten wir Lehrer*innen Termine mit den Eltern aus, damit sie Materialien in der Schule abgeben und abholen konnten.
Ich überlegte, was meine Schüler*innen zu Hause lernen sollen. Die Ideen und Aufgaben zur Übung und Wiederholung waren ausgeschöpft. Jetzt mussten neue Inhalte eingeführt werden – wie sollte das über E-Mails gehen?
Ende April richtete ich Kurse im „Lernraum Berlin“ ein, weil ich den Überblick über die Aufgaben bei so vielen Lerngruppen und Fächern komplett verloren hatte (so wie auch die Eltern). Das Anmelden im Lernraum lief allerdings schleppend.
Videokonferenzen waren damals noch kein Thema.
Ich entschied mich, dass ich den Schülerinnen und Schülern meiner Klasse Einzelgespräche über Skype anbiete. Ein Vater verlangte, dass ich mit seinem Sohn täglich 20 Minuten spreche. Es sei ihm egal, was mit den anderen Kindern ist, sein Kind sei eben wichtig und er setze sich dafür ein. Und überhaupt würden ja andere Schulen in Berlin täglich Videokonferenzen machen.
Ich wusste nicht einmal, ob Skype datenschutzrechtlich in Ordnung war. Ich wusste auch nicht, was meine Kolleg*innen aus der Schule in der Zeit machten. Ich hatte nur Kontakt mit ein paar Lehrer*innnen, mit denen ich auch privat befreundet bin. Es gab keinerlei Austausch darüber, wie wir mit der Situation umgehen.

Während der gesamten Schulschließung gab es keine Sitzung der ESL.

Auch keine Information vom Arbeitgeber SenBJF. Ich habe noch nie eine E-Mail von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie bzgl. Corona oder Schulschließungen erhalten. Alle Informationen bekomme ich von Twitter, aus den Medien, über meine Schulleitung und aus „Briefe an Schule“, wo die Briefe archiviert werden, die das SenBJF an Schulen schickt. Dazu muss man vielleicht wissen, dass wir in Berlin keine dienstlichen E-Mail-Adressen haben. Aber das ist ein Thema für einen anderen Blogeintrag.

Ende April sprachen alle darüber, wann Schulen („endlich“) wieder aufmachen würden und welche Jahrgänge zuerst in die Schule kommen sollten. Den Anfang machten die 10. Klassen, die ab 27. April wieder zum Präsenzunterricht kamen.

MAI 2020
Ab Montag, 4. und dann 11. Mai kamen die ersten Schüler*innen wieder in die Grundschulen: die 6. und dann die 5. Klassen. Da ich in dem Schuljahr auch in einer 5. Klasse unterrichtet habe, musste ich ebenso zurück in die Schule. Das heißt, ich war 7 Wochen nicht in der Schule, darin 2 Wochen Ferien und ein Feiertag, also 27 Schultage. Damals kam das allen sehr viel vor – „Die faulen Lehrer waren schön zu Hause und haben volles Gehalt kassiert.“
Die Sorge um die Bildung und Psyche der Kinder war schon damals groß.
Little did we know…

Ab Dienstag, 12. Mai waren dann auch die Erstklässler dran, auch sie kamen in halben Klassen abwechselnd in die Schule. Damals leitete ich eine 3. Klasse – sie würden noch zwei Wochen warten müssen, bis sie in die Schule kommen durften. Ich unterrichtete die 5. Klasse in Deutsch und musste auf Abruf für die Notbetreuung bereit sein. Mittlerweile gab es mehr als ein Kind in der Notbetreuung.
Die Kinder kamen in halben Klassen und jeden zweiten Tag, freitags abwechselnd. Meine 3. Klasse wurde dann sogar in drei Gruppen geteilt, weil nicht mehr als 10 Kinder in einer Gruppe sein sollten und in meiner Klasse 23 Kinder waren. Die Aufteilung der Kinder nahmen die Klassenleiter vor, wir sollten nach Leistung teilen.

Corona-Tafel mit allen Regeln in meiner Klasse

Die Kinder mussten sich nach ganz neuen Regeln richten. Es gab unzählige Tabellen, Aufzählungen, Listen und Vorgaben. Die Unterrichtszeiten waren ganz anders und die Klingel wurde abgestellt. Schüler*innen wurden bei verschiedenen Eingängen abgeholt, mussten im Abstand laufen. Eine „Mund-Nase-Maske“ auf den Gängen war Empfehlung, keine Pflicht. Im Klassenraum saßen alle im Abstand, am Platz wurden die Masken abgenommen. Händewaschen und Desinfektion waren allgegenwärtige Themen. Es gab keinen Sportunterricht, keine Hofpausen, statt Mittagessen in der Mensa gab es Lunchpakete und es durfte nicht gesungen werden.

Die Stimmung in der Schule war sehr ruhig. Das Lernen in kleinen Gruppen war für alle Beteiligten ein Segen. Schwache Schüler*innen bekamen neue Chancen, starke Schüler*innen konnten ihre Ideen beitragen und wie Lehrer*innen hatten die Ruhe, um uns jedem Kind zu widmen. Dadurch, dass die Lerngruppen keinen Kontakt zu anderen Gruppen hatten, gab es keinen Lärm auf den Gängen und keine Gewalt auf dem Schulhof.
Doch einige Kinder, v.a. aus den älteren Klassen, sahen traurig aus. Die Zeit schien sie mitgenommen zu haben. Ich hörte von Gewalt und Alkohol in den Familien. Mütter oder Väter gingen fort. Kinder mussten auf ihre jüngeren Geschwister aufpassen. Wir machten uns (schon damals) um einige Kinder große Sorgen.

Am 16. Mai schrieb ich in einer E-Mail an die Eltern meiner 3. Klasse, dass unsere Klasse ab 26.05. in die Schule kommen kann und in drei Gruppen eingeteilt wird. Das bedeutete, dass ich jedes Kind nur zweimal bis zu den Sommerferien sehen wurde. Meine 3. Klasse hatte also keine Schule vom 17.03. bis 25.05., das sind über zwei Monate. Ich schrieb:
„Es liegt auf der Hand, dass die Kinder an zwei Schultagen fachlich nicht viel mitnehmen können. Ich freue mich jedoch alle Gesichter nach der plötzlichen Trennung zu sehen. Ich denke, dass es ein wichtiges Zeichen für die Kinder ist: Wir sind alle gesund, wir entwickeln uns weiter, wir lernen und erleben viel Neues.“

Ab Mitte Mai stiegen die Hoffnungen in der Gesellschaft: „Wenn die Schulen jetzt aufmachen, dann ist die Pandemie wohl fast vorbei.“

In der Schule gab es wieder Dienstbesprechungen, u.a. zum Thema Einschulung. Wir trafen uns in der Aula, weil das der größte Raum in der Schule ist. Alle saßen mit Abstand und Stoffmasken da. Das erste Treffen mit Masken war sehr merkwürdig. Die Konrektorin fand das Bild, das wir abgaben, so faszinierend, dass sie ein Foto davon machte. Ich fand das damals unangebracht, denn ich empfand die Lage als angespannt und ernst.

Ende Mai nahm ich an einer Verkostung in der Nachbarschule teil. Wir mussten uns für eine neue Cateringfirma für unsere Schule entscheiden.

Auf unseren Entgeltnachweisen für Mai 2020 fanden wir: „Pausch. Mund-Nasen-Schutz: 16,00 €“. Okay, well, thanks, I guess…?

JUNI 2020
Die Treffen des BpP und BSB (Bezirksausschuss des pädagogischen Personals und Bezirksschulbeirat) fanden wieder regelmäßig im Rathaus statt.

Anfang Juli gab es in der Schule Diskussionen darüber, ob man seinen „Bögertag“ (ein frei wählbarer freier Tag im Sj.) nachholen kann, wenn er während der Schulschließung bzw. an einem unterrichtsfreien Tag war und ob man nicht genommene „Bögertage“ ins nächste Schuljahr mitnehmen kann.
Erst hieß es: nein, kann man nicht. Bei einigen wurde dann GEHEIM geregelt, dass sie es dürfen. Das kam dann raus – großes Drama. Letztendlich durfte ich meinen „Bögertag“ im nächsten Schuljahr nehmen und tat dies Ende Oktober.

Meine 3. Klasse durfte in die Schule kommen und ich habe jeden Schüler und jede Schülerin noch zweimal im Unterricht gesehen. Sie bekamen von mir Urkunden für die Leistungen beim „Lernen zu Hause“.
Ich musste von meiner Klasse Abschied nehmen, die ich drei Jahre zuvor eingeschult hatte. Es war meine aller erste Klasse als Klassenlehrerin. Eine richtige Abschiedsfeier gab es nicht. Aber wir trafen uns an einem Nachmittag im Park (frische Luft) und ich bekam ein aufwendiges Fotobuch und Blumen. Ich schenkte jedem Kind ein Heft mit Steckbriefen und Fotos. Das war sehr aufwendig, aber ich hätte gerne noch mehr gemacht. Diese Kinder werde ich niemals vergessen, meine erste eigene Klasse. Ich hoffe, dass sie gut durch ihr schulisches Leben kommen und glückliche Menschen werden.
Die Stimmung unter den Eltern war ambivalent. Das Thema Schulschließung und Corona hatte die Eltern weiter gespalten, es gab sehr unterschiedliche Meinungen. Ich hatte das Gefühl, dass die Elternschaft mit meiner Arbeit im Allgemeinen zufrieden war, sodass ich mit gutem Gewissen Abschied nehmen konnte. Bei einigen war ich ehrlich gesagt auch froh, dass ich nicht mehr mit ihnen diskutieren muss.

Unsicherheiten gab es beim Schreiben der Zeugnisse. Sollten die Leistungen während der Schulschließung bewertet werden? Die Noten durften jedenfalls nicht schlechter sein als im 1. Halbjahr und Corona durfte mit keinem Wort erwähnt werden. In den Fachkonferenzen wurden eilig Entscheidungen getroffen.
Die Zeugnisse wurden dann an den letzten Tagen des Schuljahres verteilt. Am 24. Juni war der aller letzte Schultag und wir verabschiedeten mehrere Kolleginnen – mit Maske in der Aula.

JULI 2020
Die Sommerferien waren eine Erholung. Die Infektions- und Inzidenzzahlen in Deutschland waren sehr niedrig. Ich verreiste ins europäische Ausland.
Das Reisen war natürlich ein Diskussionsthema, einige sahen Verreisende als „Verräter“ während z.B. Menschen mit Risikofaktoren zu Hause festsaßen. Ich war hin und her gerissen.
Jetzt im März 2021 bin ich froh, dass ich die Erholung im Sommer genossen habe. Ohne diese Auszeit von Schule und Corona würde es mir jetzt wahrscheinlich schlechter gehen.

In der Schule wurde zum Ende der Sommerferien am neuen Plan im Regelbetrieb gearbeitet. Zudem wurde gleich der Plan B erstellt – falls wir wieder Klassen teilen müssten. Der Plan sah vor, dass wir im Wochenwechsel arbeiten, also eine Woche Gruppe A und eine Woche Gruppe B. Dieser Plan wurde später mit Elternvertretern abgesprochen und sie stimmten dem Plan zu.
Spoiler: Im Februar 2021 durften wir diesen Plan für den „Unterricht im Alternativszenario“ nicht aus der Schublade holen, sondern mussten einem ganz anderen Plan (Plan C) folgen.

Seit August kann sich Personal aus Schulen kostenlos und symptomfrei auf Corona testen lassen, das heißt dann „Corona-Screening Bildungseinrichtung“. Ich habe drei Vivantes-Kliniken zur Auswahl und Termine kann ich online machen. Bis jetzt weiß ich nicht, wie viele Tests ich im Monat machen darf, dazu gibt es unterschiedliche Aussagen. Ich mache einfach so viele ich kann, am besten 1x pro Woche.

AUGUST 2020
Im 9. August waren die Sommerferien vorbei (ja, wir haben so früh Sommerferien, DANKE BAYERN!).
In den letzten drei Arbeitstagen vor Ende der Sommerferien müssen wir in der Schule sein, die sog. „Präsenztage“. Normalerweise starten wir mit einem Frühstücksbuffet, das fiel in diesem Jahr aber „coronabedingt“ aus.
Wie würde das neue Schuljahr starten? Gehen wir wirklich in den Regelbetrieb?
Wie sind die neuen Regeln? Müssen Masken getragen werden?
Die Präsenztage verliefen fast wie immer, außer dass wir bei den Fachkonferenzen in engen Klassenräumen mit Masken saßen.
Wir bekamen neue Kolleginnen, deren Gesichter ich nicht sah, weil sie Masken trugen.
Mit meiner Kollegin teilte ich die Lernanfänger*innen in Klassen auf. Dabei hatten wir kaum Informationen zu den Kindern, da durch Corona viele Einschulungsuntersuchung ausgefallen waren. Später würde sich herausstellen, dass einige Kinder noch nicht schulreif waren. Aber wenn ein Kind in der 1. Klasse ist, kann es nicht „sitzenbleiben“ und zurück in den Kindergarten gehen. Es muss mitgezogen werden.

Das Schuljahr begann „ganz normal, in Regelbetrieb“ – alte Unterrichtszeiten, volle Stundentafeln. Alle Kinder kamen und es fühlte sich an, als wäre fast alles wieder normal. Es gab nur keine Angebote für AGs (Arbeitsgemeinschaften). Kolleg*innen mit Risikofaktoren blieben teilweise im Homeoffice und wir rätselten, wie das funktionieren sollte.

Am Samstag, 15. August war die Einschulung der neuen Erstklässler. Ich war dabei, weil ich in diesem Schuljahr eine neue 1. Klasse als Klassenlehrerin bekam. Die Einschulungsfeier war anders als sonst, aber gar nicht so schlecht. Es gab mehrere Termine und die Eltern saßen mit Abstand und Maske in der Aula. Normalerweise traten immer viele Schüler*innen auf, sie tanzten, sangen und sagten Gedichte auf. In diesem Jahr wurden v.a. Instrumente gespielt und einzelne Kinder sagten Gedichte auf, wobei sie für diesen Moment die Masken abnahmen.
Ich führte meine neue Klasse aus der Aula in den Klassenraum und freut mich für die Kinder, dass sie eine offizielle Einschulungsfeier hatten. Dieses Erlebnis wurde ihnen nicht genommen. In der Klasse sahen wir dann zum ersten Mal unsere Gesichter.
Bei der letzten Einschulung kamen die Eltern in den Klassenraum und holten ihre Kinder ab. Sie sahen sich die Räume an und es gab erste Gespräche, ein Kennenlernen. In diesem Jahr durften die Eltern nicht in die Klasse kommen. Überhaupt haben die meisten Eltern meiner Klasse bis heute den Klassenraum ihrer Kinder nicht gesehen. Ich habe deshalb Fotos von dem Klassenzimmer in den „Lernraum Berlin“ gestellt.
Mit der neuen Klasse bin ich gleich mit dem „Lernraum Berlin“ gestartet – das E-Mail-Gewusel vom Frühjahr sollte sich nicht wiederholen. Ich holte auch gleich Einverständniserklärungen ein, falls es zu Videokonferenzen kommen sollte.

Ende August machte ich noch eine private Reise übers Wochenende nach Paris. Als ich am Sonntagabend wiederkam, hieß es: ab Montag ist Frankreich Risikogebiert. Das war knapp. An dem Montag konnte ich dann noch einen kostenlosen Corona-Test am Flughafen Tegel machen.
Jetzt ist dieser Flughafen kein Flughafen mehr (Schließung Nov. 2020) und man kann auch keine Corona-Tests mehr machen. Dafür ist es jetzt ein Impfzentrum, in dem AstraZeneca verimpft wird (wurde). Ob ich als Grundschullehrerin dort irgendwann geimpft werde?

SEPTEMBER 2020
7-Tage-Inzidenz Berlin 12-30
Schule im Regelbetrieb, fast alles wie immer. Die Kinder trugen Masken auf dem Flur, aber sonst nicht. Im Klassenraum konnten die Schüler*innen die Masken abnehmen, Abstandsregeln waren nicht vorgesehen. Auf dem Schulhof traf sich die komplette Schule ohne Masken.
Für das Personal an Schulen gab es eine Maskenempfehlung, aber keine Pflicht. Ich trug meine Stoffmasken überall, nahm sie aber im Unterricht ab, um leichter sprechen zu können. Beim Essen im Lehrer*innenzimmer nahm ich sie auch ab.
Den Kindern durfte ich keine Lebensmittel und Getränke geben, auch nicht wenn sie verpackt waren (Mitbringsel bei Geburtstagen). Kinder durften sich keine Materialien wie Radiergummis oder Anspitzer ausleihen – Schmierinfektionsgefahr.

Ende November kaufte ich mir 100 OP- und 120 FFP2-Masken für insg. 140€. Ab Oktober trug ich nur noch FFP2-Masken in der Schule.

OKTOBER 2020
7-Tage-Inzidenz Berlin 33-164
Im Oktober wurde Berlin von anderen Bundesländern als Risikogebiet eingestuft.

Ich traf mich mit ein paar Kolleg*innen in einem Restaurant und der Austausch tat uns gut. Im Moment (März 2021) ist so ein Treffen undenkbar, Restaurants haben seit über drei Monaten geschlossen.

Die zwei Wochen Erholung in den Herbstferien waren bitter nötig. Die Belastungen durch die Arbeit waren enorm und das im Angesicht der laufenden 2. Welle mit Inzidenzen weit über 100. Der Stresslevel war riesig.

Ende Oktober kam die „Corona-Schul-Ampel“ (offiziell „Corona-Stufenplan der Berliner Schulen“) – grün, gelb, orange und rot. Donnerstags bekamen wir die Einstufung unserer Schule, die dann ab Montag galt.
Unsere Schule war ab 26.10. auf Stufe GELB und ab 24.11. auf Stufe ORANGE (bis zur Schulschließung 16.12.).
Für Grundschulen hieß das:
GRÜN – Regelbetrieb, Maskenempfehlung in Personalgemeinschaftsräumen und Abstand „wo immer es möglich ist“
GELB – Maskenpflicht in Personalgemeinschaftsräumen
ORANGE – kein Rel/LK und AGs, Maskenpflicht für Schüler*innen, wenn gruppenübergreifender Unterricht
ROT – Maskenpflicht für Erwachsene und Kinder, Halbierung der Klassen, Unterricht im Alternativszenario (Wechselmodell), Notbetreuung

Diese Corona-Schul-Ampel bedeutete für mich, dass ich seitenlange Dokumente studieren musste, um die relevanten Informationen herauszuschreiben. Ich habe Tabellen erstellt und eine kleine Ampel gebastelt, um das für die Kinder (und teilweise Kolleg*innen) zu visualisieren. Die Stufen Gelb und Orange bedeuteten in der Schule jedoch so gut wie keinen Unterschied.

Corona-Schul-Ampel

NOVEMBER 2020
7-Tage-Inzidenz Berlin 166-207
Normalerweise gibt es im November immer einen „Elternsprechtag“, bei dem Eltern in die Schule kommen und mit Lehrer*innen sprechen können. Das ging in diesem Jahr nicht, also mussten Telefonate geführt werden. Das kostete viel Zeit und Kraft:
18 Gespräche zu 20 Schüler*innen, 17 Mütter und 2 Väter, durchschnittliche Länge: 32,5 Min., insgesamt: 9 Std. 46 Min. Die meisten Gesichter dieser Menschen habe ich bis heute nicht gesehen.

Ende November waren an unserer Schule sechs Klassen gleichzeitig in Quarantäne (von 29 Klassen).
Wie viele Schüler*innen an Corona erkrankt waren, weiß ich nicht. Darüber wurde nicht offen kommuniziert.
Bei einer Inzidenz von über 200 stand ich vor verschiedenen Klassen in voller Stärke und die Kinder hatten alle keine Masken auf. Die Schüler*innen spielten ohne Abstand auf dem Schulhof und aßen zusammen in der Mensa. Geschwisterkinder gingen nicht in Quarantäne.

DEZEMBER 2020
7-Tage-Inzidenz Berlin 194-135
Im Dezember gingen nicht mehr ganze Klassen in Quarantäne, sondern nur Kinder, die in der Nähe des „Corona-Kindes“ im Unterricht saßen (ohne Maske und ohne Abstand). Wir mussten Sitzpläne der Klassenräume und vom Lehrer*innenzimmer abgeben.
Lehrer*innen gingen auch nicht in Quarantäne. Sie wurden getestet und bei einem negativen Test mussten sie zurück in den Unterricht – noch am gleichen Tag.
Bis zu den Weihnachtsferien hatten wir vier Lehrer*innen, die an Corona erkrankt sind. Offiziell haben wir keine Informationen über erkrankte Kolleg*innen bekommen – alles Mundpropaganda.
Allen geht es heute gut und sie arbeiten wieder.

Eine meiner Lerngruppen besteht aus zwei verschiedenen 3. Klassen. Nun war die aller erste Klassenarbeit geplant, aber unerwartet war die eine Klasse in Quarantäne geschickt worden. So schriebe nur die Hälfte der Lerngruppe die Klassenarbeit. Im Januar stand ich dann vor der Entscheidung, ob die andere Hälfte die Klassenarbeit nachscheiben soll – im Schulgebäude oder online.

Den Begriff „Homeschooling“ habe ich nie genutzt, weil ich ihn unpassend fand. Seit der ersten Schulschließung im Frühjahr 2020 habe ich es „Lernen zu Hause“ genannt. Jetzt heißt es offiziell saLzH – schulisch angeleitetes Lernen zu Hause. Das mussten ab Dezember Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern lernen.

Die Gerüchte über eine erneute Schulschließung verdichteten sich. Wie immer machte es jedes Bundesland anders. In Berlin war der letzte Schultag am Dienstag, 15. Dezember – es fielen also drei Schultage aus.
An diesem 15. Dezember, um 13:05 Uhr, beobachtete ich einen Kleintransporter an der Schule und der Lieferant fragte mich nach dem Eingang. Ich wollte wissen, worum es ging – Antwort: Die Tablets werden geliefert. Ja, natürlich, am letzten Tag vor dem Lockdown, als alle Kinder das Schulgebäude verlassen haben.
Perfect timing.
An den folgenden drei Tagen versuchten wir also noch so viele Tablets wie möglich unter die Schüler*innen zu bringen – dabei müsste beachtet werden, dass ein Anspruch besteht und Vereinbarungen zur Ausleihe getroffen werden müssen.

Ansage vom Arbeitgeber SenBJF: Jedes Kind muss mindestens zweimal pro Woche kontaktiert werden.
Zitat: „Alle Schülerinnen und Schüler müssen innerhalb dieser Woche mindestens zweimal direkt von einer Lehrkraft […] kontaktiert und im Lernen zu Hause individuell begleitet werden.“
Ich fragte bei Twitter, ob das auch schon für die letzten drei Tage im Dezember gilt. Antwort der @SenBJF: „Natürlich ist es wünschenswert, wenn die Lehrkräfte zu den Schülerinnen & Schülern auch in dieser Woche Kontakt halten und sie in die Ferien verabschieden. Eine konkrete Anzahl ist nicht festgelegt. Für die Woche nach den Ferien sind min. 2 Kontakte pro Woche kommuniziert worden.“

JANUAR 2021
7-Tage-Inzidenz Berlin 128-84
Erst hieß es, nach den Weihnachtsferien geht es wieder los mit dem Präsenzunterricht, mit halben Klassen im Wechselmodell. Anfang Januar kamen schon aufgeregte Anrufe von Eltern. Sie hatten Bedenken wegen des Infektionsgeschehens und auch wegen der Vereinbarkeit der Schulzeiten mit der Arbeit. Einige wünschten sich, dass der Distanzunterricht weitergeht.

Ich hatte mich mit Wochenplänen und selbst gedrehten Lernvideos gut eingerichtet. Material und Rückmeldungen gingen über den „Lernraum Berlin“, Videokonferenzen erst über WebEx, dann BigBlueButton. Immer wieder war ich mit neunen Plattformen konfrontiert. Mir ist das egal, ich finde mich schnell zurecht. Aber Kolleg*innen, die nicht so geübt mit Technik und Internet sind, hatten sicherlich Probleme damit.
Mit mindestens zwei Videokonferenzen hatte ich meine Pflicht erfüllt, jedes Kind 2x pro Woche zu kontaktieren. Das war mir auch lieber als Telefonate mit Sechsjährigen zu führen.
Ein Blogeintrag dazu hier: Vorteile des Distanzunterrichts für mich als Lehrerin 

In vielen Medien wurde über Virusmutationen gesprochen, v.a. über die Mutante aus Groß Britannien B117. Bei einer Videokonferenz sagte eine Erstklässlerin: „Meine Tante aus London ist gerade zu Besuch!“ Great.

Wir Lehrer*innen konnten Schüler*innen in die Schule einberufen, um Klassenarbeiten scheiben zu lassen. Ich habe mich dagegen entschieden. Es war schließlich „Lockdown“, alle sollen zu Hause bleiben. Eine Klassenarbeit in der 3. Klasse finde ich nicht so wichtig, als dass das Leben und die Gesundheit von Menschen riskiert werden muss. Diese Kinder werden noch genug Klassenarbeiten und Tests in ihrem Leben schreiben.

Im Januar hatten wir unsere erste Dienstbesprechung als Videokonferenz über WebEx. Zum Glück hatte das gut funktioniert und seither machen wir unsere wöchentlichen Dienstbesprechungen und bereits eine Gesamtkonferenz über Videokonferenz. Der erste Schritt kostete Überwindung, aber jetzt läuft es. Darüber bin ich sehr froh. Wir sitzen nicht mehr isoliert zu Hause, sondern es gibt einen Austausch – auch für die Kolleg*innen im Homeoffice (Risikogruppen).

Wochenlang wurde diskutiert, wann v.a. die Grundschüler*innen an die Schulen zurückkehren sollen. Für mich als Lehrerin hieß das, dass ich nie wusste, wie meine Arbeit in der nächsten Woche aussehen würde. Planung von Unterricht wird schwierig bis unmöglich, wenn sich alles ständig ändert.

FEBRUAR 2021
7-Tage-Inzidenz Berlin 85-66
Seit 22. Februar gibt es wieder Präsenzunterricht. In den ersten zwei Wochen kamen die Klassen 1 bis 3 im Wechsel: täglich Gruppe A für drei Stunden, dann Gruppe B für drei Stunden. Wieder ganz neue Zeiten und neue Regeln. Meine 1. Klasse kannte die Situation noch nicht, denn sie waren bei der 1. Schulöffnung im Mai 2020 noch keine Schulkinder.
Vor Weihnachten saßen wir mit Inzidenz 236 mit der ganzen Klasse ohne Maske im Klassenraum – jetzt mit Inzidenz 57 ist nur die Hälfte der Klasse da und alle müssen überall Masken tragen. Vorher spielten alle zusammen auf dem Schulhof, jetzt ist dieser in Zonen eingeteilt und jede Klasse hat seine eigene Schulhof-Zeit.
Wie soll ich das Erstklässlern erklären?
Ein Blogeintrag dazu hier: So läuft es momentan in der Schule! 

Die Corona-Ampel steht für alle Schulen in Berlin auf ROT und es gilt überall Maskenpflicht. Es gelten wieder Abstandsregeln und alle machen „Unterricht im Alternativszenario“.

Die fehlende Hälfte meiner Lerngruppe in der 3. Klasse schrieb die Klassenarbeit nach und der Notendurchschnitt war am Ende 2,2. Ich bin froh, dass ich die Kinder bei Inzidenzen um 100 nicht wegen einer popeligen Klassenarbeit in die Schule gezwungen habe.
Diese anderen Hälfte der Gruppe wurde jetzt einer anderen Lehrerin zugeteilt, weil die Kohorten nicht so stark gemischt werden sollen. Ich muss enge Absprachen treffen, damit die Kollegin weiß, was gemacht wurde und was sie machen soll. Ob und wann die Gruppen wieder zusammengelegt werden, weiß niemand.

„Na, wenn die Schulen wieder auf sind, dann ist es ja nicht mehr so schlimm mit Corona.“
Ich habe das Gefühl, dass sich die Menschen (in Berlin) seit der Schulöffnung weniger strikt an die Corona-Maßnahmen halten. Auf den Straßen und in den Parks sehe ich weniger Menschen mit Masken, größere Gruppen und Umarmungen, Nähe. Ich glaube, die Frage der Schulöffnung ist auch ein entscheidender Indikator für die Menschen, wie die Pandemielage gerade ist.

Nach sieben Schultagen hatten wir das erste Kind mit Corona-Verdacht. Das Kind blieb zu Hause, Mitschüler*innen und Lehrer*innen gingen weiter zur Schule – es tragen ja jetzt alle Masken und halten Abstand. Niemand geht in Quarantäne oder Isolation.
Wenn das Personal an Schulen dann bald auch noch geimpft ist, dann gibt es keine Gründe mehr zur Vorsicht, vermute ich mal.

Am 24. Februar wurde die Impfverordnung geändert, ab sofort können Menschen geimpft werden, „die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege und an Grundschulen tätig sind“ (bundesweit).
Ja gut, aber nicht in Berlin. Hier werden zuerst Erzieher*innen und Lehrer*innen an Förderschulen geimpft (zurecht, diese Gruppen sind am meisten gefährdet). Am 9. März, hörte ich im rbb von der ersten geimpften Lehrerin (Förderschule). In dem Tempo kann ich auf meine Impfung noch lange warten. Währenddessen waren in der Woche davor fast alle Termine in Tegel (AstraZeneca) ungenutzt. Und ich unterrichte jetzt in der 4. Woche in Präsenz.

25. Februar: Eine überraschende Entscheidung der Politik: In diesem Jahr dürfen allein Eltern entscheiden, ob ihr Kind das Schuljahr wiederholen soll. Normalerweise wiederholen Kinder nur, wenn das die Lehrkraft empfiehlt und nach Beratungsgesprächen. Das kann zu einem Chaos bei den Schüler*innenzahlen und Klassenstärken im nächsten Schuljahr führen.

Am selben Tag wurden zwei Kolleginnen meiner Schule geschult, sodass sie Schnelltest durchführen können. Wir hatten eigentlich drei Freiwillige, aber es durften nur zwei zur Schulung gehen.
Seit 1. März können wir – das Personal der Schule – uns in der Turnhalle testen lassen.
Auswirkung der Schnelltests:
„Ich nehme mal meine Maske ab, ich hatte heute Morgen einen Schnelltest und der war negativ.“
Ja…

März 2020: Schnelltest in der Turnhalle

MÄRZ 2021
7-Tage-Inzidenz Berlin 66
Bei einer BpP-Sitzung (online) erinnerten wir uns an unsere Sitzung vor einem Jahr, bei dem der Polizeihauptkommissar dabei war. Vom Vorsitzenden erfuhr ich, dass damals während unseres Treffens Sitzungen in Präsenz verboten wurden und wir tatsächlich die letzte Gruppe waren, die im Rathaus tagte.

Seit 9. März kommen Gruppe A und Gruppe B in unserer Schule im Wochenwechsel.
Jetzt gerade ist Gruppe A eine Woche zu Hause und macht „LzH“ – also ich vermute, dass es so heißt, dann „schulisch angeleitetes Lernen zu Hause“ ist es nicht mehr. Während ich in der Schule unterrichte, kann und soll ich keinen Kontakt zu der anderen Gruppe haben. Das übersteigt mein Deputat um ein Vielfaches.
Ich fragte gestern, was die Kinder der Gruppe B so in der Woche zu Hause gemacht haben. Antworten: verreisen, Geburtstagsfeiern, Treffen mit anderen Kinder der Gruppe B. Supi.
Die Klassen 4 bis 6 sind seit 9. März auch in der Schule, in halben Klassenstärken. Somit sind alle Grundschüler*innen zurückgekehrt.
Die Kinder freuen sich, dass sie wieder zur Schule dürfen. Die Masken rutschen ständig, das mit dem Abstand klappt nicht. Auch das Personal läuft ohne Masken herum: Lehrer*innen, Erzieher*innen, Putz- und Küchenkräfte, Bauarbeiter. Im Lehrerzimmer wird kaum gelüftet, in der Küche gemeinsam gegessen, Umarmungen ohne Masken. Es bleibt also spannend.

Am 10. März meldete die Schulleitung alle Mitarbeiter*innen melden, die für eine Corona-Impfung in Frage kommen. Das sind in unserer Schule wohl alle, außer Putzkräfte (die sind extern eingestellt). Dazu gehören neben Lehrer*innen und Erzieher*innen auch Sekretärinnen, Hausmeister und Küchenpersonal.
Die Briefe mit Impfeinladungen (nicht Termine) kommen über die Schule. Mal sehen, wann wir sie erhalten.

Seit gestern, 15. März ist es Pflicht eine medizinische Maske, OP- oder FFP2-Maske, in der Schule zu tragen. Ein Jahr nach Beginn der Pandemie.
Für Schüler*innen wurden keine Masken zur Verfügung gestellt. Es gibt lediglich eine Reserve an OP-Masken (in Erwachsenengröße) im Sekretariat – falls ein Kind ohne Maske zur Schule kommt.
Ich als Lehrerin habe 20 OP- und zwei PPF2-Masken von der Schule erhalten.

Eilmeldung am 15. März: Deutschland stoppt das Impfen mit AstraZeneca. Okay, das wird also nichts mit der Impfung in absehbarer Zeit.
Einige Ärzte fordern Schulen sofort zu schließen, denn sonst drohe eine dramatische 3. Welle. Währenddessen wurden Schulen in NRW mit Inzidenzen über 100, teilweise über 150 geöffnet.
Läuft.

Was werden die restlichen Monate des Jahres 2021 bringen?
Wird es eine 3. Welle geben? Wie stark wird sie sein?
Werden wir das nächste Schuljahr im Regelbetrieb starten?
Wie viele Kinder werden das Schuljahr wiederholen? Wie werden die Klassenstärken sein?
Wie werden sich die Schulschließungen auswirken? Welche Änderungen im Lernen und Verhalten werden wir bei den Kindern beobachten?
Wann kommen die Kolleg*innen mit Risikofaktoren aus dem Homeoffice zurück?
Wird sich der Lehrermangel in Berlin verschärfen?
Werden wir Lehrer*innen mehr Unterrichtsstunden geben müssen?
Werden Ferienzeiten verändert?
Wann wird es erste Ausflüge und Klassenfahrten gaben?

PS.: Ich möchte mich nicht über meine „schwierige Lage“ beschweren. Durch meinen Beruf war ich in der Pandemie abgesichert und bekam mein reguläres Gehalt. Eine Zeit lang konnte ich Homeoffice machen und geschützt zu Hause bleiben. Die Rückschau soll einfach die Betrachtung der Pandemie aus der Sicht einer Berliner Lehrerin sein.

8. März 2021
von FrauSonne
Keine Kommentare

Kindermund – Die lustigsten Schülerantworten

„Kindermund tut Wahrheit kund.“ (Sprichwort)

Warum bist du gerne Lehrerin?
Es gibt einige Aspekte meines Berufs, die ich sehr mag. Aber auf Platz 1 sind auf jeden Fall die witzigen Situationen im Klassenraum! Die Kinder sind so WITZIG!

Kleine Kinder sehen die Welt mit anderen Augen, sie sind noch nicht so in eine Richtung orientiert, sie sehen viele Dinge zum ersten Mal und haben ungefärbte Meinungen. Dadurch entstehen immer wieder lustige Situationen in der Klasse.
Jedes Mal denke ich mir: „Okay, für diese Momente lohnt sich der ganze Stress.“ 😀

Hier sind ein paar lustige Aussagen von Schüler*innen.
Vielleicht ist es auch nur für mich lustig, es ist schließlich Situationskomik.
Kennt ihr auch solche Situationen in der Schule?

Seite „Körper“ im Heft „Flex und Flo 1 – Geometrie“ von Westermann

Nach der Belehrung darüber, dass man mit Fremden nicht reden darf, auch nicht mit Fremden im Schulgebäude. Schüler (1. Klasse): “Fremde wollen bestimmt zu der Vitrine und unsere Pokale klauen!“
Erstklässler erzählt aufgeregt: „Meine kleine Schwester ist auf einer Kita-Fahrt! Sie hat gar nicht im Bett geschlafen, sondern sie lag im Wald!“
„Meine Mama sagt, morgen ist gar keine Schule, wir bekommen nur ein Blatt Papier.“ Erstklässlerin über den letzten Schultag und die Zeugnisübergabe.


Diese Liste wird kontinuierlich erweitert.

 

 

 

6. März 2021
von FrauSonne
Keine Kommentare

Corona Wörterbuch

Als Deutschlehrerin und allgemein als Fan von Sprachen begeistern mich seit Beginn der Pandemie Neologismen wie „Öffnungsorgien“ oder „Virus-Varianten-Gebiet“. Vor einem Jahr hatten diese Wörter keine Bedeutung, heute wissen die meisten, was damit gemeint ist. Das finde ich sehr faszinierend.

Außerdem gibt es Wörter, die früher kaum jemand kannte und die wir jetzt täglich nutzen, „Inzidenz“ oder „Lockdown“ zum Beispiel.
Das Wort „Quarantäne“ ist in aller Munde, dabei sprechen einige Menschen das Wort wie „Kwarantäne“ aus (statt [karanˈtɛːnə], also „Karantäne“).
Quelle: Duden online https://www.duden.de/rechtschreibung/Quarantaene

Ein anderes Phänomen ist die Nutzung der falschen Einzahl von „Dosen“, nämlich „Dose“. Die Diskussion über Impfdosen ist im vollen Gange und da freut sich Frau Linn Stelle „über jede Dose“ (korrekt ist „Dosis“).
Quelle: Sendung „Hart aber fair“ (ARD) am 08.02.2021 (19. Minute) https://t1p.de/pr5j

Was werden wir wohl in ein paar Jahren über diese „Corona-Wörter und -Redewendungen“ denken?
Welche Wörter werden bleiben? Welche Wörter werden wir in ein paar Jahren immer noch brauchen?

Abstandsregel
Aerosole
Aerosolforscher
AHA+L-Regel
Alltagsmaske
Alternativszenario
an und mit Corona
Ansteckungsgefahr
Anti-Corona-Demo
Antigen-Selbsttest
Antikörperspiegel
AstraZeneca
auf Sicht fahren
Ausgangsbeschränkungen
Ausgangssperren
Außengastronomie

Beatmungsgeräte
Beherbergungsverbot
BioNTech / Pfizer
britische Mutation B117
Bundes-Notbremse
Bund-Länder-Runde

China-Virus, chinesisches Virus
click and collect
click and meet
Cluster
Corona-Ampel
coronabedingt
Coronaferien
Corona-Gipfel
Corona-Kabinett
Corona-Krise
Coronaleugner
Coronaparty
Corona-Skeptiker
Corona-Stufenplan
Corona-Verharmloser
Coronavirus
Corona-Warn-App
Covid-19
Covidiot

Desinfektion
Dezemberhilfen
Distanzunterricht
draufimpfen
Durchseuchung

Eigenverantwortung
Eindämmungsverordnung
Einschnitt in die Grundrechte
Epidemiologie

Fernunterricht
FFP2-Maske, FFP3-Maske
flatten the curve

Genesene

Hamsterkäufe
Herdenimmunität
Homeschooling
Hotspot, Corona-Hotspot, Super-Hotspot
Hybridunterricht
Hygienedemonstration
Hygienekonzept
Hygienemaßnahmen

Impfangebot
Impfdebakel
Impfdrängler
Impfkampange
Impfluencer (Influencer, die Werbung für Impfkampagne machen)
Impfreihenfolge
Impfstopp
Impfstrategie
Impfzentrum
in Zeiten von Corona
Infektionsschutzgesetz
Infektionsschutzmaßnahmenverordnung
Infektionszahlen
Intensivbetten
Intensivstationen
internationaler Gesundheitsnotfall / -notstand
Inzidenz, Inzidenzwert

Kohorten
Kollaps des Gesundheitssystems
Kontaktperson, Kontaktpersonen-Nachverfolgung
körpernahe Dienstleistungen
Kurzarbeit, Kurzarbeitergeld

Leben vor/nach Corona
Lieferketten
Lieferversprechen
Lockdown
Lockdown light
Lockdown-Lockerungsplan
Lockdown-Müdigkeit
Lockerungen
lokales Aufflammen
Long-Covid
Lüften
Luftfiltergeräte

Maskenaffäre
Maskenpflicht
Massentests
Maßnahmenkatalog
mobile Impfteams
Moderna
mütend (müde + wütend)

mRNA-Impfstoff
Mund-Nase-Bedeckung
Mund-Nasen-Schutz

Nasen-und-Rachen-Abstrich
No Covid
Novemberhilfen

Osterruhe

Öffnungsmatrix, dynamische Öffnungsmatrix
Öffnungsorgien
Öffnungsperspektiven
Öffnungsszenarien

Pandemie
pandemüde
Panikmache
PCR-Test
POC-Antigen-Test (point of care)
Präsenzpflicht
Präsenzunterricht
Preprint
Prioritätenliste

Quarantäne
Querdenker

Reisebeschränkung, Reisewarnung
Risikogruppe
Risikohaushalte
RKI – Robert Koch Institut
Rückkehr zur Normalität

saLzH (schulisch angeleitetes Lernen zu Hause)
Sars-CoV-2
Seuchenherd
Schulen sind sicher.
Schulöffnung
Schulschließung
Schutzmasken
schwedischer Weg
Shutdown
Sicherheitsabstand
Sieben-Tage-Inzidenz
Spazio (kurz für Spaziergang)
Staatsversagen
STIKO – Ständige Impfkommission
Superspreader
systemrelevant

Teil-Lockdown
Terminshopping
Teststrategie
Toilettenpapier-Horter
Treffen mit Haushalten
Treiber der Pandemie

unverimpft

Vakzine
Verlauf – schwerer und milder Verlauf
Virologe/Virologin, Virologie
Virusmutanten
Virus-Varianten-Gebiet

Wechselunterricht
Welle: 1. Welle, 2. Welle, 3. Welle
Wuhan

Zero Covid
zweites Bergamo

#BildungAberSicher
#SchulenUndKitasZu

Diese Liste wird kontinuierlich erweitert.
Welche Wörter fehlen noch?
Welche Corona-Wörter findet ihr besonders interessant?


Buchtipp für Fans von Sprache:
Die Grammatik ist ein sanftes Lied von Érik Orsenna.
In diesem Buch lernen Kinder den Zauber von Sprache kennen. 😊

27. Februar 2021
von FrauSonne
2 Kommentare

So läuft es momentan in der Schule!

Schulöffnung in Berlin aus Lehrersicht

Ich: „Deine Maske!“ – „Deine Nase!“
Die Kinder: „Mir ist kalt!“

Nach ca. zwei Monaten Schulschließung (6,5 Wochen Unterricht) ging es jetzt am Montag (22.02.) wieder mit dem Präsenzunterricht los. Ich habe eine Woche lang in der Schule unterrichtet und bin dabei sehr besorgt.

Vorgeben von der SenBJF
Nachdem der Bund am 10.02. entschieden hat, dass jedes Bundesland eigene Regeln zum Öffnen der Schulen beschließen soll, hat die SenBJF in Berlin am 12.02. einen Brief dazu an die Schulen geschickt. Darin werden die Rahmenbedingungen für die Schulöffnung vorgegeben. Hier ein Ausschnitt:

Aus dem Brief an die Schulen „Schulorganisation ab dem 15. Februar 2021; Präsenzpflicht bleibt weiterhin ausgesetzt“ vom 12.02.2021

Jahrgangsstufen
Es gehen die Klassen 1 bis 3 zur Schule. In meiner Schule bedeutet das, dass ca. die Hälfte der Klassen wieder ins Schulgebäude kommen, denn die Klassen 4 bis 6 lernen weiterhin ausschließlich zu Hause.
Jede Klasse soll in zwei Gruppen geteilt werden, Gruppe A und Gruppe B. Bei uns konnten die Lehrer*innen teilweise selbst entscheiden, wie die Gruppen geteilt werden. Dabei musste die Vereinbarkeit von Geschwisterkindern bedacht werden.

Wann die Klassen 4 bis 6 in die Schule kommen sollen ist völlig unklar.

Jeder macht ein anderes Wechselmodell
Es gibt wohl mehrere Wechselmodelle in Berlin, die zugelassen wurden.

  1. Wechsel pro Woche: Gruppe A geht eine Woche lang zur Schule, Gruppe B bleibt zu Hause – nach einer Woche Wechsel. Jedes Kind hat täglich 6 Unterrichtsstunden.
  2. Wechsel pro Tag: Gruppe A geht an 3 Tagen zur Schule, z.B. Montag, Mittwoch, Freitag – Gruppe B geht an 2 Tagen zur Schule, z.B. Dienstag und Donnerstag. In der Woche darauf gibt es entweder einen Wechsel der Wochentage oder einen Wechsel des einen Tages (z.B. Freitag). Jedes Kind hat täglich 6 Unterrichtsstunden.
  3. Wechsel innerhalb des Tages: jeden Tag geht Gruppe A 3 Unterrichtsstunden zur Schule und danach Gruppe B für 3 Stunden.

Die Modelle werden von jeder Schule selbst konzipiert. Das ist ein Haufen Arbeit für die Konrektoren! In unserer Schule haben wir zwei sehr engagierte Kolleginnen, die für alle Pläne zuständig sind. Aber allein diese zusätzliche Arbeit müsste meiner Meinung nach zusätzlich entlohnt werden.

Wir arbeiten im Moment mit dem 3. Modell. Damit sind einige Eltern unzufrieden, denn es ist organisatorisch schwierig und mit Arbeit schlecht vereinbar, wenn das Kind für nur 2 Zweitstunden und 15 Minuten in der Schule ist. Die meisten Kinder in Klasse 1 bis 3 werden gebracht und abgeholt.

Das Wechselmodell 3 – Gruppe A und B an einem Tag
Bei uns kommt Gruppe A für die ersten drei Stunden, 8:00 – 10:15 Uhr und Gruppe B kommt für die 4. bis 6. Stunde, also 11:00 – 13:15 Uhr.

Es gibt keine Betreuung vorher oder nachher. Allerdings gibt es (weiterhin) eine Notbetreuung. Die Anzahl der Kinder in der Notbetreuung steigt stetig.

Die Kinder der beiden Gruppen begegnen sich nicht (in der Schule), aber ich als Lehrerin sehe über den Tag alle Kinder meiner Klasse.

Keiner macht Pause
Die Kinder haben keine Hofpause und es gibt zwischen den Unterrichtsstunden keine „kleine Pause“. Da die Klingel ausgestellt ist, können wir Lehrer*innen selbst entscheiden, wann wir den Kindern eine kleine Auszeit einräumen.

Ich als Lehrerin muss ab 7:45 Uhr im Klassenraum sein (wie sonst auch). In der Pause zwischen den Gruppen desinfiziere ich die Tische und Stühle.
Zum Essen und Trinken gehe ich in mein Auto. Dort kann ich eine Maskenpause machen und meine FFP2-Maske wechseln.
Wenn ich Glück habe und keine Kollegin mich auf den Fluren anspricht, dann schaffe ich es noch zur Toilette zu gehen.

Frühstücks- und Maskenpause im Auto

Mein Deputat – Anzahl der Unterrichtsstunden
Vor der Schulschließung im Dezember sah die Verteilung meiner Unterrichtsstunden folgendermaßen aus:

  • Vollzeit 28 Stunden, davon 5 ermäßigt
  • 23 Unterrichtsstunden + 4 S-Stunden (Springstunden)
  • 4 Aufsichten, 2 davon Hof (insg. 90 Min.)

Seit Montag sieht die Verteilung so aus:

  • 23 Unterrichtsstunden + 4 S-Stunden + Betreuung einer abgegebenen Lerngruppe (Absprachen, Material, Korrekturen) + saLzH ohne Videokonferenz/Telefon für die Kinder, die nicht in Präsenz kommen (es gibt keine Präsenzpflicht)
  • keine Aufsichten
  • weiterhin Einsatz zur Vertretung

Insgesamt ist der Arbeitsumfang gestiegen. Durch den ständigen Planwechsel müssen wir uns immer wieder anpassen und eine Einteilung der Arbeit, z.B. die Unterrichtsvorbereitung, ist schwierig.
Dafür habe ich zum Glück momentan keine Aufsichten! Vor allem keine Hofaufsichten, das ist für mich sonst ein großer Stressfaktor.
Zudem habe ich etwas früher Schluss als normalerweise, weil die Hofpausenzeiten wegfallen und die Zeiten der Unterrichtsstunden anders sind.
Vorteilhaft ist auch die Arbeit in kleinen Gruppen. Das habe ich schon bei der Schulöffnung im letzten Frühling festgestellt.
Insgesamt ist es viel ruhiger und es gibt weniger Konflikte, weil sich die Gruppen nicht begegnen.

Das ist aber alles nur eine Momentaufnahme, nächste Woche kann schon alles wieder anders sein.


Nachtrag am 02.03.
Heute habe ich eine Schock-Nachricht bekommen: von meinen 5 Ermäßigungsstunden werden mir einige gestrichen! Sicher bleibt nur 1 Klassenleiter-Stunde. Das heißt, dass ich jetzt zwischen 23 und 27 (statt fest 23) Unterrichtsstunden geben werde!

Diese Änderung wurde ohne mein Wissen – und ohne meine Zustimmung – vorgenommen.
Streichungen von Ermäßigungsstunden betrifft wohl ALLE Kolleg*innen meiner Schule. Das sind viele Stunden und bedeutet für viele Kolleg*innen eine große Umstellung.

Ich habe in den vergangenen sieben Schultagen schon zwei Vertretungsstunden gegeben – das ist aber wohl keine Mehrarbeit, sondern V-Stunden (Verfügung).

Wenn das jetzt flächendeckend (in ganz Berlin) gemacht wird, bedeutet das eine größere Belastung und de facto Mehrarbeit für viele Lehrer*innen.
Auch vor Corona haben viele am Limit gearbeitet und kaum jemand schafft das Vollzeit-Deputat. Solch eine Änderung bedeutet: Lehrer*innen werden komplett verheizt und Ausfälle bis Burnout drohen!


Unterrichtsfächer
In meiner Klasse haben die Kinder die Hauptfächer und eine Stunde BK (Kunst).
Ich weiß gar nicht, welche Vorgaben es für die Auswahl der Fächer gibt. Die Kinder vermissen besonders den Sportunterricht. (Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr die Kinder Sport mögen, denn ich habe den Sportunterricht in der Schule gehasst! :D)
Ich habe ungefragt fachfremd „Bildende Kunst“ bekommen. Viele Kolleg*innen unterrichten jetzt andere Fächer und Gruppen als vor den Weihnachtsferien. Das ist alles ganz normal, so ein bisschen Kunst kann doch jede*r. Wenn man den Anspruch hat, ein fremdes Fach kompetent zu unterrichten, hat man keine Kapazitäten sich einzuarbeiten. Grundschullehrer*innen müssen eben alle Fächer unterrichten, Klasse 1 bis 6.

Aufgaben für zu Hause?
Unschlüssig bin ich bei der Frage, ob ich den Kindern Aufgaben für zu Hause geben soll – schließlich haben sie „nur drei Stunden“ Unterricht. Andererseits komme ich bei meinen Hauptfächern fast auf die reguläre Anzahl an Stunden. Die „ausgefallenen“ Stunden sind Musik, Sport, Religion/Lebenskunde. Sollen die Kinder in diesen Fächern Aufgaben bekommen?
Bei dem wochenweisen Wechsel (Modell 1) bleibt eine Gruppe die ganze Woche zu Hause, dafür brauchen sie Aufgaben. Das ist dann also saLzH (schulisch angeleitetes Lernen zu Hause), nur ohne Anleitung, also LzH?

Essen in der Schule?
Einige Schulen bieten Mittagessen an, andere Lunchpakete, wieder andere können kein Essen anbieten.
Die Cateringfirmen können meist nicht so früh liefern, wenn die Kinder z.B. um 10:15 Uhr Schluss haben. Soll dann nur die 2. Gruppe Mittagessen bekommen? Soll die andere Gruppe für das Essen zurückkommen? Wie sollen all die Kinder im Laufe des Tages in einer Mensa essen…

Nun bin ich davon ausgegangen, dass die Schüler*innen während der zwei Zeitstunden und 15 Minuten nichts essen müssen. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Kinder während der drei Unterrichtsstunden Hunger haben und auch viele Eltern darauf bestehen, dass ihr Kind in der Zeit in der Schule isst.
Das bedeutet erstens, dass von meinen 2 Unterrichtsstunden in der Klasse (90 Min.)  ca. 15-20 Min. für Händewaschen und Essen verloren gehen. Zweitens: während die Kinder essen, haben alle Kinder (bei mir max. 9 Kinder momentan) die Masken abgenommen. Sie essen natürlich auch nicht ruhig und leise vor sich hin, sondern unterhalten sich angeregt.
Während die Kinder essen, halte ich durchgehend die Fenster offen (vier große Fenster plus vier Kippfenster) und die Tür steht offen, um einen Durchzug mit dem gegenüberliegenden Raum herzustellen.
Ich selbst nehme im Klassenraum zu keinem Zeitpunkt meine Maske ab.

Maskenpflicht
Alle Personen im Schulgebäude und auf dem Schulgelände müssen überall und immer eine Maske tragen. Dabei ist weder für die Kinder noch für die Erwachsenen vorgeschrieben, dass es eine OP- oder FFP2-Maske sein muss.
Ich vermute, dass die SenBJF das nicht vorgeschrieben hat, um Klagen zu vermeiden. Zudem müsste der Arbeitgeber ja seinen Arbeitnehmern dann diese Schutzausrüstung zur Verfügung stellen.

Warum gibt es eigentlich von der SenBJF keine Masken für Kinder? Am besten in Kindergröße. Vor allem für Familien mit geringen Mitteln wäre das wichtig.
Ansonsten sitzen da kleine Kinder mit Knoten in den Gummis und die Masken sind trotzdem an allen Seiten locker und offen.

Halten sich alle in der Schule an die Maskenpflicht?
Nein.
Die Erstklässler versuchen es tapfer, aber die Masken rutschen immer wieder und die Nasen gucken heraus.
Was sagt man zu einem Kind, dass die Maske herunterzieht und gequält sagt: „Ich kann nicht atmen…“?

Und die Kolleg*innen…

Bisher habe ich von der SenBJF 16€ für Masken im Mai 2020 bekommen. Jetzt im Februar 2021 habe ich 20 OP-Masken und 2 FFP2-Masken bekommen.
Privat habe ich mir Masken bei Siegmund und bei Amazon gekauft. Insgesamt habe ich bisher ca. 140€ für Masken ausgegeben. Ob ich das von der Steuer absetzen kann?

Diese Masken habe ich von der Schule erhalten.

Das Unterrichten mit FFP2-Maske ist schwierig. Ich muss lauter sprechen und bekomme nach einiger Zeit Kopf- und Halsschmerzen. Über der FFP2 trage ich noch eine Stoffmaske – einerseits um den Schutz weiter zu erhöhen und andererseits um den Schüler*innen ein angenehmes Muster zu bieten.
Im Allgemeinen habe ich keine Probleme mit Masken. Ich habe früh angefangen selbst genähte Masken zu tragen und komme mit allen Masken gut klar. Ich sehe auch Vorteile darin, dass Masken jetzt „normal“ sind und vielleicht auch in Zukunft getragen werden, z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Reisen.
Aber das Unterrichten mit Maske ist wirklich anstrengend. Ich kann nicht wochen- oder monatelang so weitermachen.

Lüften nervt
Auf dem Handy habe ich einen Wecker, der alle 20 Min. (bzw. passend zum Stundenrhythmus) klingelt. Damit es nicht so nervig klingt, habe ich verschiedene angenehme Töne ausgewählt. Ich versuche immer eine Aufgabe zu Ende zu besprechen oder einen Abschnitt zu Ende vorzulesen, bevor ich die Fenster öffne.
Ich schließe mit meinem Fensterschlüssel die vier großen Fenster auf. Nach kurzer Zeit rufen die meisten Kinder: „Mir ist kaaaaaalt!“ Dann holen sich viele ihre Jacke, ziehen Schals und Mützen an. Es macht mich traurig, wenn ich die Kinder mit ihren dicken Winterjacken im Klassenraum beobachte…
Nach ca. 5 Minuten renne ich wieder durch den Raum und schließe die Fenster.
Ich kann nur sagen, dass es für mich selbst sehr unangenehm ist in diesen kalten Räumen zu arbeiten. Manchmal muss ich auch meine Jacke und meinen Schal anziehen. Die Heizung funktioniert bei uns zum Glück sehr gut und der Raum wärmt sich schnell auf. Gerade wenn es wieder angenehm warm ist, klingelt es wieder zum Lüften…

Schülerin in meiner Klasse, Dezember 2020

Keine Luftfilter – niemals
In Berlin sollen diese Schulen Luftfilter bekommen, die Räume haben, die nicht gut gelüftet werden können. Unsere Schule ist sehr alt (denkmalgeschützt), deshalb lassen sich bei uns die Fenster noch öffnen. Alle Räume können gelüftet werden, d.h. wir bekommen keine Luftfilteranlagen – nie.
Ich könnte jetzt Studien zitieren, wonach die Raumluft ein entscheidender Faktor für das Lernen ist und dass die aktuelle Situation ein guter Zeitpunkt für den Einbau von Filtersystemen wäre, aber was bringt das?

Eine schwierige Abwägung
DIE GUTE SEITE

  • Alle meine Schüler*innen freuen sich, dass sie wieder zur Schule gehen können.
  • Selbstverständlich können Erstklässler mit einer ausgebildeten Lehrerin besser lernen als allein zu Hause. Ich kann schnell einschätzen, wo die Kinder stehen und flexibel die Anforderungen und Methoden während des Unterrichts ändern. Zudem werden durch Mitschüler Anreize gegeben und Interaktionen entstehen.
  • Kinder, die in verschiedenen Bereichen Auffälligkeiten zeigen, können passend betreut werden. Unsere Sozialarbeiterin z.B. unterstützt und beobachtet im Unterricht. Sie hat außerhalb der Schule Kontakt zu den Familien und hilft ihnen.

DIE SCHLECHTE SEITE

  • Das ist kein Schulbetrieb. Es fühlt sich eher an, als würden wir einen Aspekt von Schule nachspielen.
  • Es gibt keine Hofpause, keinen Sportunterricht, kein gemeinsames Mittagessen in der Mensa und kein Spielen in den Klassenräumen. Also all die Gelegenheiten, in denen Kinder untereinander Beziehungen aufbauen können. Meine 1. Klasse hat erst ca. vier Monate zusammen gelernt. Viele Schüler*innen konnten noch gar keine Freundschaften knüpfen. Nun sind sie auch noch durch Eingruppierung in A und B dauerhaft getrennt.
  • Ich fühle mich in der Schule ungeschützt. Es fühlt sich an, als wäre ich Teilnehmerin in einem Experiment, ohne mein Einverständnis.

Falsche Reihenfolge!
Erst wurden die Schulen geöffnet, dann wurde alles anderen gemacht.
Die Schulöffnungen in Berlin gab es bei einer Inzidenz über 50, mit steigender Tendenz.
Hier eine Chronik:

Datum 2021   7-Tage-Inzidenz
Berlin[1]
Tendenz
10.02. Entscheidung über Schulöffnung (Bund) 64.5
12.02. Informationen zur Organisation der Schulöffnungen in Berlin 61,1
22.02. Öffnung der Schulen, Klasse 1-3 57
23.02. Entscheidung: Erzieher*innen und Grundschullehrer*innen sollen eine Impfgruppe vorrücken 58
24.02. Änderung der Impfverordnung, ab jetzt können Menschen geimpft werden, „die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege und an Grundschulen tätig sind“ (bundesweit) 60,8
25.02. Schulung der freiwilligen Kolleg*innen unserer Schule, die die Schnelltests durchführen sollen 61,6
25.02. Info: In Berlin werden Grundschullehrer*innen doch nicht jetzt schon geimpft, sondern zuerst Erzieher*innen, Lehrer*innen an Förderschulen und Tagesmütter/-väter 61,6
ab 01.03. Schnelltests in Schulen möglich (wenn bis dahin die Schutzkleidung geliefert wird), 2x pro Woche
ab ca. 04.03. Start der Impfungen für Erzieher*innen, Lehrer*innen an Förderschulen und Tagesmütter/-väter
? Impfung für Grundschullehrer*innen und andere Lehrer*innen?
Selbsttests für zu Hause?
? Schnelltests für Schüler*innen?
Selbsttests für Schüler*innen?
Impfungen für Kinder und Jugendliche?

Zuerst wurden die Schulen geöffnet, dann Schnelltest organisiert.
Zuerst wurden die Schulen geöffnet, dann über die Impfreihenfolge entschieden.
Grundschullehrer*innen sollen früher geimpft werden, natürlich mit AstraZeneca. Wurden die Gruppen vorgezogen, weil der AstraZeneca-Impfstoff „übrig ist“ und nicht nachgefragt wird?
Die Begründung ist wohl, dass sich kleine Kinder nicht so gut an die Maßnahmen halten können und kein Abstand gewahrt werden kann.

Jens Spahn (CDU, Gesundheitsminister) am 20.02.2021:
„Weil es wegen der Nicht-Möglichkeit zum Abstand – also in der Oberstufe können Sie anders Abstand möglich machen und einhalten und erklären, hoffe ich jedenfalls, bei 16- und 17jährigen als bei Dreijährigen, das eben deutlich schweriger [sic] ist, wollen wir eben diese Gruppe jetzt zügig dann auch, ja, in Gruppe zwei nehmen, sozusagen, und früher auch Impfangebot möglich machen.“
(Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/corona-impfung-grundschule-kita-101.html)

Warum waren dann Kitas durchgehend geöffnet, teilweise mit Belegungen über 50%?
Warum wurden die Schulen dann ungeschützt geöffnet?
Warum konnten nicht andere Bereiche mit besseren Konzepten öffnen?
Warum haben Lehrer*innen kein Recht auf Homeoffice in Pandemiezeiten mit steigenden Fallzahlen und Inzidenzen?

Ich werde also noch wochenlang in der Schule arbeiten, irgendwann kommen Schnelltest, irgendwann kommen Selbsttests, irgendwann sind wir mit der Impfung dran, vielleicht bekomme ich irgendwann mehr als zwei FFP2-Masken. Luftfilter kommen nie.
Was bleibt? Lüften.

Zitat Markus Söder (CSU, Ministerpräsident Bayern), Oktober 2020:
„Unsere Kinder müssen betreut werden. Denn wenn wir den wirtschaftlichen Lockdown auch verhindern wollen, das ist ja der Zusammenhang: Schule und Kita hat ja auch den Sinn und Zweck auch um die Wirtschaft am Laufen zu lassen. Wenn die Eltern keine Betreuung haben, gibt‘s auch keine Wirtschaft.“
Quelle: https://www.gew-bayern.de/presse/detailseite/neuigkeiten/bildung-wird-zur-nebensache/#:~:text=28.10.2020&text=2020%20betont%20Herr%20Söder%2C%20dass,Infektionszahlen%20-%20unbedingt%20offen%20bleiben%20müssen.&text=Söder%20wörtlich%3A%20„Schule%20und%20Kita,haben%2C%20gibt%20es%20keine%20Wirtschaft.

 

Zitat Yvonne Gebauer (FDP, Ministerin für Schule und Bildung NRW) zum Thema „Regelungen hinsichtlich der Wiederaufnahme des Schulbetriebs und der daraus resultierenden Folgen“ im April 2020:
„Es wird, so traurig das ist, Schulgemeinschaften geben, die den Tod von Lehrkräften, Schulleitungen oder Familienangehörigen zu beklagen haben, die das schulische Leben und den schulischen Alltag mitunter auch nachhaltig beeinflussen können.“
Quelle: https://opal.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMA17-961.pdf 

 

[1] Quelle: https://www.berlin.de/lageso/gesundheit/infektionsepidemiologie-infektionsschutz/corona/tabelle-indikatoren-gesamtuebersicht/

18. Februar 2021
von FrauSonne
2 Kommentare

Vorteile des Distanzunterrichts für mich als Lehrerin


Nach 33 Schultagen mit Distanz- statt Präsenzunterricht (16.12.2020 – 19.02.2021) ziehe ich eine Bilanz.

Obwohl ich mich seit der ersten Schulschließung im Frühjahr 2020 auf einen Online-Unterricht eingestellt habe, wer es doch eine große Umstellung mit vielen Unsicherheiten. Nach zwei Monaten hat sich nun eine Routine ergeben und mittlerweile bin ich zufrieden mit meiner Arbeit.


Vorbereitungen für den Distanzunterricht, bevor es zur Schulschließung kam

  • Antrag bei der Schulleitung: „Antrag zur Verarbeitung perso­nenbezogener Daten auf privaten Datenverarbeitungsgeräten (durch die Lehrkraft)“ – Link dazu hier: https://www.egovschool-berlin.de/vorlagen
  • E-Mail-Verteilerlisten für unterschiedliche Lerngruppen und Kolleg*innen-Gruppen (u.a. FK und Saph)
  • Signatur für Dienst-E-Mail mit Disclaimer
  • „Lernraum Berlin“ (moodle): anlegen von 5 Kursen, gestalten und befüllen der Kurse, anmelden der Schüler*innen bzw. der Eltern im Lernraum
  • Einverständniserklärungen zur Arbeit mit dem Lernraum, ANTON und Antolin sowie zu Videokonferenzen
  • Anlegen von Gruppen und Aufgaben in der App ANTON
  • Installation und Anmeldung von „WebEx“


Beschreibung meiner Arbeit im saLzH (selbstständig angeleitetes Lernen zu Hause)

  • montags: hochladen der Wochenpläne und Lernvideos (Klassenstufen 1 und 3)
  • 4 Wochenpläne und 4 Lernvideos (je 20-45 Min. Länge) jede Woche
  • Dienstag bis Freitag 7 Videokonferenzen (jedes Kind hat 2-3 Termine) + ein paar Einzeltermine
  • korrigieren der Arbeiten online
  • 2x pro Woche Telefondienst
  • Kommunikation per E-Mail: Themen v.a. Lerninhalte und Organisation
  • Rücksprachen mit Kolleg*innen (meist telefonisch)
  • Gremientreffen über Videokonferenzen (ESL, LpP, BpP, BSB, GEW)


Vorteile des Distanzunterrichts für mich

  • keine Maske nötig
  • warm (kein Lüften)
  • Hygiene zu Hause
  • bequemes Sitzen
  • Tagesabläufe selbst gestalten
  • ruhige und regelmäßige Mahlzeiten
  • besserer Schlaf; länger schlafen durch Wegfall des Arbeitswegs (besonders im Winter natürlicher für mich)
  • mehr Kontakt mit Kolleg*innen (Telefon/Video), sonst ist Kontakt außerhalb der Schule, am Wochenende und in den Ferien eher tabu
  • digitales Korrigieren – kein Schleppen schwerer (manchmal verschmutzter) Hefte → so könnte ich sogar auf mein Auto verzichten
  • alles digital – kein Papier, keine Kopien, keine Handschrift
  • gute, stabile Hardware (PC, Tablet, Drucker, Webcam, Headset) und schnelles Internet – weil ich es selbst ausgesucht und bezahlt habe

Im Januar habe ich mir neues Equipment gekauft:
Webcam: Logitech C922 PRO Webcam – damit bin ich sehr zufrieden.
Headset: Logitech 960 Kopfhörer – nichts Besonderes, laufen bisher stabil

Vorteile von Videokonferenzen

  • ruhig durch kleine Gruppen und Stummschaltungen
  • Materialien zur Hand (Schreibtisch, Regale)
  • gute Sichtbarkeit der Materialien (PDF, PPP, Videos, Bilder usw.) durch Teilen von Präsentationen und Bildschirm für alle – im Vergleich zur Tafel in der Schule
  • gemeinsames Gestalten der Tafel (bei BigBlueButton)
  • Aufbau der Beziehungen durch Einsichten in Zuhause der Kinder, z.B. Geschwister, Haustiere, Geburtstagsgeschenke

Nachteile des Distanzunterrichts für mich

  • Sorgen um die Kinder: Körper, Psyche, schulisch Kompetenzen
  • keine Einsicht in die Arbeit und Fortschritte der Kinder
  • Arbeit ohne Rückmeldung – im Unterricht kann ich stets flexibel reagieren, im saLzH weiß ich nur wage, wie die Kinder (und Eltern) zurechtkommen
  • Probleme bei der Kommunikation: über Videokonferenzen, Telefonate und E-Mails kann es zu Missverständnissen kommen
  • Stress durch Elterngespräche: persönliche Situationen ganz unterschiedlich, ständiges Abwegen von Verständnis und Erwartungen
  • weniger Zeit mit den Kinder (Zeit Videokonferenzen ungleich Zeit Präsenzunterricht), d.h. weniger Beziehungsaufbau – und weniger lustige Situationen 😀


Das sind Vor- und Nachteile, die ich nach sieben Wochen Distanzunterricht festgestellt habe.

Über die Vor- und Nachteile für die Schüler*innen und Eltern kann ich nur spekulieren. Was in der Zeit zu Hause passiert ist, weiß ich nicht. Darüber können Schüler*innen und Eltern schreiben.

Selbstverständlich ist Präsenzunterricht für die Schüler*innen in so vielen Aspekten sehr viel besser! Das steht außer Frage.
Trotzdem werde ich die Zeit des Distanzunterrichts vermissen.

Ich weiß gar nicht, ob ich momentan mehr oder weniger arbeite als vor Corona. Die Arbeit ist in jeden Fall anders, aber die Arbeitszeiten (24/7) sind ähnlich.

Am 22.02. geht es in Berlin mit Wechselunterricht, also mit halben Klassenstärken, weiter.
Ich bin gespannt, wie das aussehen soll und wie dieses Konzept meine Arbeit als Lehrerin ändern wird.


Frau Sonne

1. Februar 2021
von FrauSonne
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Das Sams – Eine Woche voller Samstage

Titel: Eine Woche voller Samstage
Autor: Paul Maar
Amazon-Link: https://amzn.to/39tD1sg


Empfehlung: Klasse 2-4
Ich lese es gerne in der 2. Klasse.


Das Sams
Ich lese das Sams sehr gerne vor, denn die Kinder finden es lustig und spannend. Es bietet auch viel Diskussionspotential, z.B.:

  • Was würdest du dir wünschen?
  • Welche Wünsche findest du gut/schlecht?

Tipp:
Bei einigen Seiten habe ich mir im Buch Markierungen gemacht, damit ich die Stimmen der Charaktere variieren kann. Das mögen die Kinder besonders.

Die Wochentage
Das Buch ist perfekt dafür geeignet über Wochentage zu sprechen!
Die Kinder lernen auswendig (S. 20 im Buch):

„[…] am Sonntag Sonne,
am Montag Herr Mon,
am Dienstag Dienst,
am Mittwoch Wochenmitte,
am Donnerstag Donner,
am Freitag frei […]
Am Samstag Sams!“ 

Passt also zu den Fächern Deutsch, DaZ und Mathematik – Jahreskreis.


Mädchen oder Junge?
Einige Kinder fragen, ob das Sams ein Junge oder Mädchen ist.
Darüber lasse ich die Schüler*innen dann diskutieren. Am Ende sage ich, dass es für die Geschichte nicht wichtig ist und man dazu im Buch keine Informationen findet.
Allerdings weiß ich nicht, ob es in anderen Sams-Büchern thematisiert wird, da ich sie nicht gelesen habe – wisst ihr etwas darüber?

Bei dem Thema sollte man natürlich vorsichtig sein. Es gibt Kinder, die sich in der Grundschule noch keinem Geschlecht zugeordnet haben oder bereits Transgener sind (kenne Beispiele aus meiner Schule).

Materialien
– Kostenloses Material vom Verlag – kostenloses PDF https://www.oetinger.de/sites/default/files/unterrichtsmaterial/9783751201063.pdf

– Zeitstrahl (Download wird später hinzugefügt)


Vergleich Buch und Film
DVD „Das Sams“
(Das Buch heißt „Eine Woche voller Samstage“ und der Film „Das Sams“.)

Selten zeige ich in der Schule Filme, weil ich finde, dass dafür wenig Zeit ist und weil ich vermute, dass die Kinder zu Hause schon viele Filme und Serien gucken.
Aber in diesem Fall finde ich es sinnvoll.
Damit es ein großes Ereignis wird, bereite ich die Filmvorführung vor:

  • Datum für die Filmvorführung ansagen (ins HA-Heft schreiben)
  • Filmplakat mit Termin in der Klasse aushängen
  • Tickets für jedes Kind
  • Stühle vor der Tafel wie im Kino anordnen
  • Popcorn, Nachos, Apfelschorle

Zuerst lese ich das ganze Buch vor – das dauert meist ein paar Wochen.
Danach gucken wir den Film.

Fragen:

  • Was ist anders im Film als im Buch?
  • Warum wurden im Film etwas anders gemacht?
  • Welche Vor- und Nachteile haben Buch und Film?
  • Was kann man im Film schlecht darstellen? Was ist schwierig im Buch zu beschreiben?
  • Was hat euch im Film besonders gefallen?
  • Was ist besser – Buch oder Film – und warum?

Am Ende zeige ich den Kindern noch im Buch „Das Sams wird Filmstar“ Bilder, auf denen zu sehen ist, wie der Film gemacht wurde. Für viele Kinder ist es eine der ersten Gedankengänge zum Thema – Wie wird ein Film gedreht?
Hier verbinde ich mein Hobby als Komparse und erzähle den Kinder, wie ein Film gemacht wird, wer daran arbeitet, wie lange es dauert usw. Die Schüler*innen hören gebannt zu!


Buch: Das Sams wird Filmstar 
Das gibt es nur noch gebraucht zu kaufen.

 

Zum Schluss

Wenn die Kinder das Sams mögen, weise ich sie darauf hin, dass es noch mehr Bücher und Filme zum Sams gibt. Ich habe dazu eine Tabelle erstellt.
Vielleicht motiviert es einige Schüler*innen die Bücher zu kaufen / auszuleihen und sie selbstständig zu lesen.
Alle Bücher gibt es auch als Hörbücher. Das mögen viele Kinder gerne.

Hörbücher
(Links zu Audible-Hörbüchern)

  1. Eine Woche voller Samstage (1973)
  2. Am Samstag kam das Sams zurück (1980)
  3. Neue Punkte für das Sams (1992)
  4. Ein Sams für Martin Taschenbier (1996)
  5. Sams in Gefahr (2002)
  6. Onkel Alwin und das Sams (2009)
  7. Sams im Glück (2011)
  8. Ein Sams zu viel (2015)
  9. Das Sams feiert Weihnachten (2017)

Filme
(Links zu DVDs auf Amazon)

  1. Das Sams (2001)
  2. Sams in Gefahr (2003)
  3. Sams im Glück (2012)

 

 

 

29. Januar 2021
von FrauSonne
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Die besten Lehrer*innen-Blogs

Bevor ich meinen eigenen Blog gestartet habe, hing ich auf anderen Seiten herum.
Diese Blogs dienen mir als Vorbild und inspirierten mich.


Zaubereinmaleins
Link: https://www.zaubereinmaleins.de/startseite/

Für viele Lehramtsstudent*innen und Referendare gehört das Wort „Zaubereinmaleins“ zum Alltag. Ich dachte zuerst, dass es dort nur um Mathematik geht, aber dem ist nicht so.

Frau Schäfer aus NRW sammelt seit 15 Jahren sehr viel Material und ich habe schon vieles davon für meinen Unterricht genutzt.

Schwierig finde ich es mich dort zurecht zu finden. Einige Sachen finde ich zufällig. Wenn ich nach bestimmtem Material suche, finde ich es oft nicht. Ich kenne sogar den genauen Titel des Materials, aber bei der Eingabe ins Suchfeld bekomme ich keine Ergebnisse.

Ich habe im Jahr 2016 einmalig 20€ bezahlt und kann im internen Bereich das komplette Material einsehen und herunterladen.
Infos zu den Zaubereinmaleins-Kosten


Ideenreise-Blog
Link: https://ideenreise-blog.de/

Hier finde ich das schönste Material für die Grundschule, Klasse 1-4. Die Materialien sind wirklich gut gestaltet und inhaltlich wertvoll.

Jedes Jahr lade ich die den „Ausmaladventskalender“ herunter und meine Schüler*innen malen jeden Tag ein Türchen aus.

Den Stil und Aufbau der Seite mag ich nicht sehr, früher hat es mir besser gefallen. Es gab wohl Probleme mit dem alten Blog (DSGVO).

Dafür finde ich mich auf der Seite gut zurecht und durch viele Tags kann man den Blog gut durchsuchen.


Materialwiese
Link: https://materialwiese.de/

Hier gibt es wunderschönes Material für die Grundschule, das ich auch schon im Unterricht verwendet habe. Viele gute Ideen und Methoden mit klarer Struktur.

Den Stil des Blogs mag ich allerdings nicht sehr, z.B. die Farben und Schriften. Aber der Stil zieht sich einheitlich durch, das schätze ich.


Nachtfunkelatelier
Link: https://nachtfunkelatelier.com/

Die beste Adresse, um Bilderbücher zu finden!

Es gibt so viele schöne Bilderbücher für Kinder, aber sie sind meist sehr teuer, sogar aus zweiter Hand. Da muss man schon wissen, dass der Text gut klingt und ggf. lehrreich ist sowie dass die Bilder passend und ansprechend sind.
Problem: Da will ich gleich alle diese Bücher kaufen!

Es gibt auch künstlerische Tipps – die sind anspruchsvoll und wunderschön.


Bob Blume – der Netzlehrer
Link: https://bobblume.de/

Sympathisch und überall präsent. Ich folge ihm bei Twitter und Instagram, wo er mir oft aus der Seele sprecht – v.a. zu Themen wie

  • Digitalisierung an Schulen
  • Distanzunterricht
  • Schulpolitik

Auch wenn er nicht im Bereich Grundschule arbeitet, höre ich ihm gerne zu und ziehe immer wieder Schlüsse aus seinen Beiträgen – für meine Arbeit und für mein Leben.

 

Es gibt so viele talentierte Kolleginnen und Kollegen da draußen!
Lasst uns zusammenarbeiten, wie ein starkes Team. 🙂

 

 

28. Januar 2021
von FrauSonne
1 Kommentar

Willkommen in der Sonnenklasse

Los geht’s mit dem Sonnenklasse-Blog!
Ich bin Grundschullehrerin in Berlin und möchte meine Welt mit dem Internet teilen.

Beruf oder Berufung? Das ist kein Job, bei dem man „Feierabend“ hat und zu Hause abschalten kann. Beim Einkaufen im Supermarkt kaufe ich Buchstabenmagnete, im Buchladen im Urlaub Bilderbücher und diesen hübschen Kunstdruck mit dem Alphabet könnte ich doch auch gut gebrauchen.

Diese Themen schweben mir bisher vor:
– Materialien für Deutsch und Mathematik, Klasse 1-3
– Material Klassenlehrer*in, Jahreskreis, Elternzusammenarbeit
– das lesen Lehrer*innen – zu Hause und in der Schule
– Ausflüge zum Wandertag in Berlin
– Distanzunterricht